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Kommentare zu:
Die Vertreibung aus dem Serail


#41 perry
  • 28.11.2008, 11:56h
  • Die Schari'a wurde in der Türkei übrigens nicht 1935, sondern 1926 abgeschafft - genau wie in den meisten anderen muslimischen Staaten. Die Türkei stellt hier keine Ausnahme dar. Gleichzeitig wurde aber die Ausgrenzung gleichgeschlechtlicher Liebe aus Kultur und Literatur unter Atatürk stärker denn je vorangetrieben und mündete schon bald in einen medizinischen Pathologie-Diskurs. Das Strafrecht ist eben nicht die einzig relevante Dimension, die man heranziehen sollte. Es spielen viel mehr Normen eine Rolle.

    Das alles könntest du wissen, wenn du, statt über das Buch herzuziehen, ohne es zu kennen, mal lieber einen Blick hineinwerfen würdest.

    Sorry, aber ich finde es unmöglich, wie du persönliche Urteile über den Autor abgibst, ohne das, was er schreibt, jemals zur Kenntnis genommen zu haben. Allein aufgrund einer Rezension kann man sich kein Urteil machen.
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#42 hwAnonym
  • 28.11.2008, 11:59h
  • Antwort auf #36 von goddamned liberal
  • Nun, die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Abermillionen Menschen in Asien durften seit Jahrhunderten direkt oder indirekt den intensiv angelsächsische Traditionen und amerikanischer Wirklichkeit erleben.

    "Das Unverständnis der Deutschen, aber nicht nur der Deutschen,
    für angelsächsische Traditionen und amerikanische Wirklichkeit ist
    eine alte Geschichte."

    Hannah Arendt.

    Es ist schon wahr, Wissen muß jede Generation aufgefrischt werden.
    Ich stehe da fest an Deiner Seite !
    Man sollte sich den historischen Optimismus nicht verderben lassen.
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#43 goddamned liberalAnonym
  • 28.11.2008, 12:28h
  • @hw

    Den historischen Optimimsmus laß ich mir weder von NeoCons, Islamophoben noch von irrationalen Kulturalisten verderben! Je unerträglicher die Repression wird, desto mehr knarzt die Dialektik!

    @perry

    Für denjenigen, der im Knast sitzt und/oder auf seinen Henker wartet, ist der jurist. Diskurs der entscheidende. Durch Atatürks Justizreform ist Zeki Müren, der türkische Liberace, eben zeitlebens dem Knast entgangen.

    Nur in einem rationalistischen Diskurs kann man Irrationales kenntlich machen. Z. B. die Rationalisierung klerikaler Ressentiments wie Homophobie durch ein medizinisches Mäntelchen (Krankheit statt Sünde). Mediziner und Psychologen haben Homosexualität zuerst zur Krankheit gemacht und dann nach wenigen Jahrzehnten rationaler Überlegungen vom Stigma der Krankheit befreit. Theologen wäre das nie gelungen. Für die bleibt Sünde eben Sünde. Amen!
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#44 hwAnonym
#45 hwAnonym
#46 perry
  • 28.11.2008, 15:19h
  • "Für denjenigen, der im Knast sitzt und/oder auf seinen Henker wartet, ist der jurist. Diskurs der entscheidende."

    Ja, es saß aber keiner im Knast. Das ist ja die Pointe, die du dauernd übersiehst. Das juristische Verbot von Analverkehr bestand nur auf dem Papier. Heute wird aber in der Türkei wirkliche Repression ausgeübt, und zwar ausgerechnet von Seiten des kemalistischen Staats, der Sex zwischen Männern 1926 legalisierte (und daran auch nie gerüttelt hat).

    Dir fehlen einfach grundlegende Informationen über den Gegenstand, und, ohne arrogant wirken zu wollen, kann ich da im Grunde nur wiederholen, was schon der Rezensent Christian Scheuß geschrieben hat: "Eigentlich sollte jeder, der künftig einen Kommentar zu diesem Thema abgibt, dazu verpflichtet werden, vorab die 168 mit wissenschaftlicher Methodik erarbeiteten Seiten durchzuarbeiten."
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#47 goddamned liberalAnonym
  • 28.11.2008, 17:59h
  • @perry

    Nicht (zeitweise) gemütliche Illegalität und Sünde, (zunächst) ungemütliche Legalität ebnet den Weg zu Selbstachtung und Rechtssicherheit!
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#48 perry
#49 goddamned liberalAnonym
  • 28.11.2008, 19:20h
  • @perry

    Der Stammtisch ist eine gutbürgerliche Einrichtung, auf der schon manche Barrikade ersonnen wurde!

    Und überhaupt:

    Leer ist das Vorhaben ja nun gerade nicht, eine erfüllende Liebe offen und in Selbstrespekt zu leben und sich nicht nur (bestenfalls!) augenzwinkernd geduldeten süßen Sünden in irgendwelchen dunklen Ecken hinzugeben...

    Und schlimmstenfalls von den Frommen ermordet zu werden....
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#50 antosProfil
  • 30.11.2008, 11:20hBonn
  • Antwort auf #30 von stromboli
  • Lieber stromboli,

    sicher ist der ZEIT-Artikel von Charlotte Wiedemann interessant - für mich allerdings aus folgendem Grund: Abgesehen von ein paar Allgemeinwissenshäppchen [revolutionsfolkloristische Begriffe wie ‚schwarzer Freitag’ etc.] spiegelt er direkt die Denkverbote in Iran wider. Er zeigt die blinden Flecken der ehemaligen ‚Revolutionäre’; er zeigt, wie wenig sich diese einst aufgeputschten und mit sozialromantischem Shariati-Kitsch ['Fatima ist Fatima'* - lesenswert für die Damen unter uns!] aufgepumpten Jugendlichen – denn das waren es hauptsächlich - bisher mit der Geschichte und dem Hergang ihrer missratenden Revolution auseinandergesetzt haben.

    Schade, dass Frau Wiedemann keinen der ehemaligen ‚islamischen Revolutionäre’ interviewen konnte oder wollte, die mit Maschinengewehren und anderen Waffen durch die Straßen patrouilliert sind und jedem, der sich nicht jubelnd dem Rausch anschloss das Leben zur Hölle gemacht haben. Oder einen von den ehemaligen Schülern und Studenten, die im Rausch ihrer Rechthaberei ihre ihnen verhassten Lehrer – z. B. weil sie mal schlechte Noten bekommen hatten – als westlich-dekadente Subjekte denunziert und so direkt Khomeinis Schnellgerichten zur Erschießung ausgeliefert haben. Sattareh Farman-Farmaian, eine Verwandte Mossadeghs und Gründerin der iranischen Schulen für Sozialarbeit schreibt ausführlich darüber in ihren Lebenserinnerungen, die natürlich nur im Exil entstehen und veröffentlicht werden konnten – sehr lesenswert:
    www.amazon.de/Schahsades-Tochter-faszinierende-Lebensgeschic
    hte-einer/dp/3453877446/ref=sr_1_7?ie=UTF8&s=books&qid=12280
    38253&sr=8-7



    Haarsträubend und unfassbar geradezu sind die Un-Weisheiten, die Charlotte Wiedemann von Herrn Tabatabai zitiert – zum Glück lässt sie zwischen den Zeilen durchscheinen, was für ein schnittig-wendiges, verlogenes Exemplar Mensch dieser Herr ist. Was Khomeini wollte oder nicht, dazu sollte man die Toten befragen, sie sollten kurz wiederkehren, Zombies her!, und Herrn Tabatabai zu sich in die Erde ziehen. So. Moralischer Donner Ende.

    Um einen Eindruck von Khomeinis Agieren zu gewinnen, sollte man sich statt an Typen wie Tabatabai besser an betroffene Beobachter halten wie z. B. Amir Taheri – der war zwar ein Schah-Anhänger und mischte später in der bekannten Neocon-Truppe mit, lügt aber nicht in jedem Satz:
    www.abebooks.de/servlet/BookDetailsPL?bi=1179999436&searchur
    l=an%3Damir%2Btaheri%26sortby%3D3%26sts%3Dt%26x%3D0%26y%3D0




    Der Gerechtigkeit halber muss man allerdings darauf hinweisen, dass Frau Wiedemann die selbstauferlegten Denkverbote ihrer Interviewpartner selbst zu erkennen scheint, wenn sie zumindest Massoumeh Ebtekar attestiert: "Seltsam: Wie andere iranische Reformer vermag diese kluge Frau ihre eigene Entwicklung erstaunlich wenig zu reflektieren."

    Frau Ebtekar kann dies schon aus sozusagen psycho-hygienischen Gründen gar nicht, behaupte ich – andernfalls müsste sie an dem mafiotisch-totalitären System, in dem sie ja selbst lebt, täglich irre werden.

    * =
    www.al-islam.org/fatimaisfatima/
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