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  • 10. Dezember 2008 79 2 Min.

FDP-Chef Guido Westerwelle will 2009 Außenminister werden – und dann Staaten, die die Todesstrafe gegen Lesben und Schwule verhängen keine Entwicklungshilfe mehr zahlen. Außerdem spricht er über seinen Wunsch nach Kindern.

Der 46-Jährige will offensiv um den Einzug ins Auswärtige Amt kämpfen: "Wenn ich mir ein solches Amt nicht zutrauen würde, hätte ich nicht Vorsitzender der FDP werden dürfen", sagte Westerwelle in einem Interview im am Donnerstag erscheinenden Magazin "Stern".

Er würde als erster offen Schwuler ein Bundesministerium leiten. Ein Hindernis sieht der FDP-Chef darin nicht: "Die ganz große Mehrheit der Bevölkerung hat überhaupt kein Problem mit meinem Privatleben. Es würde unserer Außenpolitik übrigens gut anstehen, wenn sie diesen Geist der deutschen Toleranz in andere Länder tragen würde." Daher sprach Westerwelle sich ausdrücklich dafür aus, Staaten die Entwicklungshilfe zu streichen, die Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelten "oder wo Männer und Frauen hingerichtet werden, nur weil sie homosexuell sind".

Auch im Falle einer Wahlniederlage will Westerwelle in der Politik bleiben. Im "Stern" bezeichnete sich der Liberalenchef als "zufriedenen - und sogar öfter als man es verlangen darf - glücklichen Menschen". Schade sei allerdings, dass es sich für ihn nicht ergeben habe, Kinder zu haben. "Wenn ich sehe, wie viel Glück mit Kindern verbunden ist, kann ich manchmal schon melancholisch werden, ja." Er habe keine Ausstiegsfantasien - "was soll ich auf einem fetten Motorrad wochenlang in der Wüste?" Und auch das Alter schrecke den 46-Jährigen nicht: "Dazu bin ich noch nicht nah genug dran."

Westerwelle ist seit 2001 FDP-Bundesvorsitzender und seit den vorgezogenen Wahlen 2005 Oppositionsführer im Deutschen Bundestag. Der agile Rheinländer hatte erst 2004 ein Coming-out in der Öffentlichkeit, als er erstmals zu einem offiziellen Anlass mit seinem Lebenspartner erschien (queer.de berichtete). Davor war seine Homosexualität eher ein offenes Geheimnis, über die in der Regel nicht berichtet wurde.

Auf queer.de hat das Coming-out damals zu allerlei Abwehrreaktionen geführt. Die Leserin "Annette" zeigte sich empört über den Bericht: "So ein Schwachsinn. Ich finde es eine Unverschämtheit zu behaupten, Guido Westerwelle ist schwul… Andere haben auch geschrieben, er ist hetero und ich weiß es zu 100 Prozent, dass er hetero ist." (dk/pm)

-w-

#1 CarstenFfm
  • 10.12.2008, 10:16h
  • Sehr gut!

    Man sollte konsequenterweise auch den Staaten die Entwicklungshilfe streichen, die Schwule "nur" ins Gefängnis stecken.

    Bei der FDP darf man allerdings immer skeptisch sein, ob sie solche Versprechen auch halten, falls sie an die macht kommen
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#2 yavannahAnonym
  • 10.12.2008, 10:29h
  • Antwort auf #1 von CarstenFfm
  • eben, denke ich mir auch. der vorschlag an sich ist ja löblich, aber wie soll der mit der union bzw. von der doch eher wankelmütigen FDP umgesetzt werden? man muss sich schon fragen, wie viel populismus dahinter ist.

    den letzten absatz fand ich aber lustig!
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#3 Thomas62Anonym
  • 10.12.2008, 10:45h
  • Was ist denn mit Herrn Westerwelle los? So kennt man ihn doch gar nicht.
    Will er jetzt mit Hilfe der Stimmen der Schwulen und Lesben Aussenminister werden? Das hieße, daß die FDP erstens in die kommende Koaliton gewählt werden müßte und zweitens, daß der/die zukünftige Bundeskanzler/in sich nicht an einem schwulen Aussenminister stoßen würde. Wohl aber einige andere Staatschefs die sich prinzipiell weigern mit Westerwelle zu reden - so geschehen seinerzeit bei Sharon.
    Was wäre denn wenn Westerwelle als Aussenminister mit den Scheichs von Saudi-Arabien parlieren müßte, was wenn er mit diesem iranischen Irren verhandeln müßte, wenn er mit Putin oder seinem Hampelmann in Moskau verhandeln müßte - das alles sind (ekelhafte) Aufgaben die ein Aussenminister nun mal tun muß und er muß sich auch mit diesen Leuten gut stellen. Ob er will oder nicht.
    Er wird wohl keinen Erfolg haben mit der "Erpressung" daß diejenigen Staaten keine Entwicklungshilfe mehr bekommen werden, dann würden andere Staaten entsprechend in die Bresche springen. Unsere Welt ist viel zu sehr ineinander verzahnt und verbunden-im guten wie im bösen als daß (ausgerechnet) jemand wie Westerwelle diesbezüglich was erreichen könnte. Hatte er doch für sein öffentliches Outing noch Tante Merkel gebraucht. (In Szene gesetztes Dinner mit Fam. Merkel sowie Herrn Westerwelle nebst Lebenspartner.)
    Da ist Volker Beck aus einem ganz anderen Holz geschnitzt!
    Ich sag nur zu Herrn Westerwelle:
    SCHUSTER BLEIB BEI DEINEN LEISTEN!
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