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- 11. Januar 2009 2 Min.
Der Trainer der italienischen Nationalmannschaft erklärte in einem Internet-Video, dass ihm in vier Jahrzehnten nie ein schwuler Profifußballer begegnet sei – er würde Schwule nicht diskriminieren, sehe aber Probleme in der Umkleidekabine, so Marcello Lippi.
"Ich denke nicht, dass es schwule Spieler gibt", so der 60-Jährige im Podcast einer PR-Firma. "Zumindest bin ich in 40 Jahren meiner Karriere nie einem begegnet. Es könnte schon sein, dass es einige mit diesen Tendenzen gibt, aber sie gehen damit nicht in die Öffentlichkeit". Das hänge auch mit der Natur des Sports zusammen, erklärte Lippi weiter: "Wenn man bedenkt, wie wir Fußballspieler nun mal sind, muss man sagen, dass es die Lage in der Umkleidekabine sehr erschweren könnte."
Er selbst hätte aber kein Problem mit offen schwulen Fußballern, versicherte der Erfolgstrainer: "Wenn jemand zu mir käme und gestehen würde, dass er schwul ist, würde ich ihm raten, sich davon nicht ablenken zu lassen. Er soll sich einfach auf seinen Beruf konzentrieren und in seinem Privatleben das tun, was er will."
Die italienische Homo-Gruppe Arcigay nannte es "fahrlässig", dass Lippi die Existenz von Homo-Spielern verneine: "In einem Macho-Milieu wie dem Fußball verstecken Schwule sich noch mehr als in anderen Bereichen. So sind sie auch unsichtbar für Lippi", erklärte Arcigay-Chef Aurelio Mancuso. Mit seiner Aussage, dass Schwule in der Umkleidekabine problematisch seien, trage Lippi zudem "zum feindlichen Klima gegen Schwule im italienischen Profifußball" bei.
Andere Homo-Aktivisten lobten dagegen die Aussage von Lippi, sich für schwule Spieler einzusetzen. Sie forderten den Coach auf, sich an Kampagnen gegen Homophobie im Sport zu beteiligen.
In Italien sorgt das Thema Schwule und Fußball immer wieder für Wirbel. So erklärte im Dezember ein Callboy anonym in einem Fernsehinterview, dass er 30 italienische Topspieler zu seinem Kundenkreis zählt (queer.de berichtete). Fußballer sprachen sich dagegen wiederholt gegen Homo-Rechte aus: Im Juni sagte Nationalspieler Gennaro Gattuso, dass er gegen die Homo-Ehe sei (queer.de berichtete). Im April hatte der ehemalige Fußballmanager Luciano Moggi erklärt, dass Schwule im Profifußball nichts verloren hätten (queer.de berichtete).
Lippi war von den 60ern bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erfolgreicher Libero in der italienischen Profiliga. In den 90ern gewann er als Trainer von Juventus Turin die Champions League. Ab 2004 betreute er die italienische Nationalmannschaft, die er bei der WM 2006 in Deutschland zum Weltmeister machte. (dk)













