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In einem offenen Brief an Verteidigungsminister Franz Josef Jung beschwert sich der sexualpädagogische Berater des Rostocker Schwulenzentrums Rat+Tat über homophobe Auswüchse bei der Bundeswehr.

Jörgen Heiser erklärte darin, dass einer seiner Klienten in seiner Ausbildungszeit als Grundwehrdienstleistender mit der Homophobie bei der Truppe nicht fertig werden könne. Vorgesetzte würden sich im schreienden Befehlston über Homosexualität lustig machen und damit Schwule gezielt einschüchtern. So sagten die Befehlshaber beim Antreten: "Steht ordentlich oder seid ihr Schwuchteln". Außerdem sollten die Jungsoldaten beim Marschieren Abstand zum Vordermann halten, denn "alle die dichter dran sind, sind schwul!". Auch Beleidigungen wie "Bist du schwul, oder was?" seien an der Tagesordnung.

"Demokratie beruht auch auf Akzeptanz und Toleranz. Ich finde es sehr erschreckend, dass so eine eindeutig schwulenfeindliche und damit auch menschenverachtende und herabwürdigende Verhaltensweise von Ausbildern in der Bundeswehr immer noch praktiziert und somit den jungen Soldaten vorgelebt wird", so Heiser in seinem Brief an das Verteidigungsministerium. "Unser Klient ist durch diese Vorfälle psychisch sehr belastet (er ist nicht einmal 2 Wochen dort gewesen), so dass die Fortführung des Grundwehrdienstes in Frage steht. Er befindet sich derzeit in ärztlicher und psychologischer Behandlung". Der Berater forderte, "solche Ausbildungspraktiken sofort zu
unterbinden und diesen Fall gemeinsam mit uns aufzuklären." Ferner solle Minister Jung öffentlich zu diesem Fall Stellung nehmen. (pm/dk)



23 Kommentare

#1 seb1983
  • 16.01.2009, 16:13h
  • Erstmal die erschreckende Wahrheit:
    JA es gibt schwulenfeindliche Ausbilder bei der Bundeswehr. Nebenbei: bei Kick, H&M, Aldi und BASF auch.
    Aber: Diese aufgeführten Sprüche sind VÖLLIG VERBOTEN!!! Diese Ausbilder haben MASSIV gegen Dienstvorschriften verstoßen!!
    Auch wenn es sehr, sehr schwer ist sich zu überwinden, da gibt es nur ein Mittel: Beschwerde einlegen! Es gibt keinen Beruf in dem man so umfassend geschützt ist wie als Wehrpflichtiger.
    Entweder bei einem Vorgestzen, wenn man im eigenen Zug Skrupel hat oder kein Gehör findet eine Eben höher, und wenn das nicht hilft: Direkt an den Wehrbeauftragen schreiben, die Adresse findet sich in jeder Stubenmappe. Spätens wenn der dann per Hubschrauber einfliegt (ein Freund durfte das mal im Standort erleben) kracht es richtig!!
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#2 PrignitzerEhemaliges Profil
  • 16.01.2009, 17:34h
  • Antwort auf #1 von seb1983
  • Die Behauptung, es gäbe keinen Beruf, in dem man so umfassend geschützt wäre wie als Wehrpflichtiger, ist rundweg falsch, wie mehr als ein Skandal, und nicht in Sachen Homophobie, innerhalb der Bundeswehr inzwischen belegt hat. Und daran hat bisher auch kein noch so engagierter Wehrbeauftragter etwas zu ändern vermocht. - Wer wie Du diese jetzt zur Sprache gekommene Angelegenheit abtut, kann nur mit Scheuklappen durch die Bundeswehr-Welt herumlaufen oder eine "Netzbeschmutzer"phobie haben.
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#3 DerBastiAnonym
  • 16.01.2009, 18:54h
  • "80cm Abstand, 79cm ist schwul und 81 Fahnenflucht!" Ich habe auch meinen gwd beim Bund abgeleistet. Hab nie raushaengen lassen dass ich schwul bin und keine Probleme. Ein Kumpel (der offensichtlich) schwul war hat auch keine Probleme waehrend seiner Wehrdienstzeit gehabt. Na klar gibts da deftige Sprueche - gerade auch bei der Marine. Ich empfehle allen die Ü18 sind mal nach "Marine Weckspruechen" zu googeln. Da gehts ueber Heterosex und Morgenlatten heftig zur Sache.

    Aehnlich haeufig wie vielleicht "Schwuchtel" oder "Schwul" negativ gebraucht wird, sooft sind auch alle Frauen Schlampen und und und... Das das nicht toll ist, ist klar. Die BW versucht auch dagegen zu gehen. Aber man muss sich vor Augen halten, dass da ein Haufen Jungs um 17 bis 19 auf grossem Abenteuerzeltlager sind. Da gehts auf einem Jugendausflug oder Skifreizeit von den meisten Sportvereinen erfahrungsgemaess aehnlich hoch her. Ausserdem stammen die Ausbilder haeufig aus den unteren Bildungsschichten, sind ebenfalls relativ jung und dann teilweise seitdem sie 17 oder 18 sind dabei. Die kennen gar nichts anderes weil sie eben permament in dem Umfeld sind. Das soziale Klima mildert sich deutlich ab, wenn Frauen in der Einheit sind - dann lassen die meisten die deftigsten Sprueche.

    Bei Uebertretung von Grenzen (Schikanierung und sexuelle Belaestigung) muss klar ein Schlussstrich gezogen werden. Aber wenn man hoert wie oft "Schwul" oder "Schwuchtel" ueber Schulhoefe (Gymi bis Haupt) hallen, dann sag ich nur: " Spiegelbild unserer Gesellschaft". Nicht besonders offen aber auch nicht super tolerant.
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#4 DerBastiAnonym
  • 16.01.2009, 19:01h
  • Zumindestens muss man als normaler Wehrpflichtiger keinen Angst um seinen Job haben - dementsprechend ist man schon geschuetzt. Man kann bei offensichtlichen Schieflagen ziemlich viel Radau machen und zwar bis in sehr hohe Fuehrungsetagen. Dann wird man entweder Wegversetzt oder sogar freigestellt. Ich wuerde auch jedem Betroffenem raten das zu tun. Wer misshandelt wird oder schikaniert (egal ob schwul oder nicht) soll moeglichst den Vorgesetzten vom Kompaniefuehrer bis zum Kasernenchef seine Situation schildern. Die haben in der Regel mehr Angst um ihren sicheren Beamtenjob und die naechste Befoerderung, als dass sie einen "Skandal" riskieren wuerden.
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#5 AbendlandbewohnerAnonym
#7 hwAnonym
  • 16.01.2009, 19:35h
  • Antwort auf #3 von DerBasti
  • du warst auch nie kriminell, per se ???
    schulhof ? gymi ???

    text zum grundstudium sozialwissenschaften 2009:

    "...als abweichendes verhalten in diesem sinne gilt in erster linie kriminalität, aber auch alkoholismus und illegaler drogenkonsum, geisteskrankheit, suizid, homosexualität, prostitution u.a....
    ...suchtverhalten kann, muss aber nicht stafbar sein,
    und geisteskrankheiten,
    suizid,
    homosexualität und prostitution
    stellen in der bundesrepublik nicht per se einen
    gesetzesbruch dar.

    ...einige abweichler haben mitleid zu erwarten, andere verbreiten
    angst oder werden verachtet..."

    quelle:
    hermann korte, berhard schäfer (hrsg.)
    einführung in die hauptbegriffe der soziologie
    6., erweiterte auflage
    leske+budrich, opladen 2002
    Lektion VI
    abweichendes verhalten und soziale kontrolle
    rüdiger peuckert
    I. einführung
    1.1. definition zentraler begriffe
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#8 maciicxProfil
  • 16.01.2009, 19:38hpnkw
  • Antwort auf #1 von seb1983
  • ich hab noch einen: "woran erkennt man einen schwulen sani?"

    öhm ja, bei kik und aldi und h&m gibt es vielleicht auch leute mit homophoben aussprüchen, das pack ist ja überall. aber nirgends sonst steht man dem so unausweichlich über und nirgendwo sonst geschieht es so...standardisiert, den verboten zum trotz.

    das "weniger ist schwul, mehr ist fahnenflucht" kenne ich auch, und das ist teil des eigentlichen, hässlichen gesichts des militärs, und da hilft kein hubschrauber der geflogen kommt im peinlichen versuch eines weltfremden da oben, der realität da unten das gewünschte idealbild überzustülpen. wenn's kracht ist an dem betreffenden standort vielleicht für eine weile ruhe, aber wirklich was ändern wird sich so nicht...
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#9 darkon
  • 16.01.2009, 19:41h
  • Sehr obskurer offener Brief.

    Das was er fordert existiert bereits.
    Derartige Sprüche sind schon seit Jahren nicht erlaubt. Jeder Soldat (egal ob Wehrpflichtiger oder nicht) kann und soll sich bei solchen Vorgesetzten beim nächsthöheren Vorgesetzten beschweren und dann wird entsprechend dagegen vorgegangen.

    Zum anderen sind die als Beispiel gebrachten Sprüche schlicht und ergreifend harmlos.
    Da gibt es auf jedem Grundschul-Schulhof härtere Sprüche zu hören...wie hat sein Klient denn die Schule überlebt? Wie schafft er es im Alltag zurecht zu kommen, wenn er wegen ein paar dummer Sprüche schon nach 2 Wochen in ärztliche UND psychologische Behandlung muß?
    Sorry, aber da hat der Klient ein ganz generelles Problem und nicht nur mit der Bundeswehr.

    Homophobie muß bekämpft werden, aber das ist schlichtweg übertrieben.
    Nicht jeder dumme Spruch ist gleich "homophob". Sonst müsste der Herr sexualpädogische Berater auch gleich queer.de mit einem Brief behelligen wegen des Veröffentlichens von (meist schlechten) Schwulenwitzen.
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#10 maciicxProfil