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- 24. Januar 2009 2 Min.
Wut und Betroffenheit nach dem neuerlichen Übergriff auf schwule Männer in Berlin: Rund 500 Teilnehmer beteiligten sich an der Solidaritätskundgebung am Samstagmittag im Schöneberger Kiez unweit des Tatorts. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit verurteilte die zunehmende Gewalt gegen Homosexuelle.
Ein 23-Jähriger war am vergangenen Mittwoch gegen 1:30 Uhr nachts lebensgefährlich verletzt worden, nachdem er und ein 24-jähriger Freund in der Kleiststraße von fünf bislang unbekannten Tätern brutal angegriffen wurden (queer.de berichtete). Der Zustand des 23-Jährigen, der infolge schwerer Kopfverletzungen notoperiert werden musste, ist mittlerweile stabil. Aufgrund der Tatumstände vermutet das Antigewaltprojekt Maneo einen homophoben Hintergrund. Zeugen werden gebeten, sich an die ermittelnde Polizeidirektion 4 oder ans Maneo-Überfalltelefon unter Tel. (030) 216 33 36 zu wenden.
Mit der von LSVD und Maneo organisierten Mahnwache wolle man ein Zeichen setzen, so Maneo-Projektleiter Bastian Finke: "Den Betroffenen gilt unsere Anteilnahme und Solidarität. Deswegen zeigen wir gemeinsam Gesicht gegen Gewalt." Finke mahnte in seiner Ansprache an, erreichte Erfolge der Präventions- und Opferhilfearbeit nicht fortwährend aufs Spiel zu setzen: "Wir sind es leid, dass zu viele Menschen in der Gesellschaft noch immer homophobe Gewalt bagatellisieren, dass unsere ständigen Hinweise und Appelle an unsere Senatsverwaltung ständig in den Wind geschlagen werden. Immer wieder wurde uns erklärt, es sei doch alles gar nicht so schlimm."
Finke appellierte an die breite Öffentlichkeit, einzuschreiten, "wenn Ihnen wieder einmal der Satz ‚Schwule Sau!’ entgegen schallt": "Wir können zu aller erst unseren Mund aufmachen und sagen, dass wir gegen Ausgrenzung, diskriminierende Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Übergriffe sind, diese nicht länger tolerieren: Auf Schulhöfen, auf der Arbeit, in Kneipen, beim Sport, auf der Straße. Alle sind aufgefordert Gesicht zu zeigen und Zeichen zu setzen. Mit einer klaren, eindeutigen und unmissverständlichen Haltung entziehen wir Tätern den letzten Schein, ihr tun sei irgendwie auch nur ansatzweise moralisch gerechtfertigt."
An der Mahnwache beteiligte sich auch die von Bastian Finke indirekt kritisierte Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke). Anwesend waren darüber hinaus Vertreter sämtlicher Parteien, darunter die Bundestagsabgeordneten Mechthild Rawert (SPD) und Markus Löning (FDP) sowie die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses Sascha Steuer (CDU), Stefan Liebig (Linke) und Thomas Birk (Grüne).
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte im Vorfeld der Mahnwache die neuerlichen Gewaltakte gegen Homosexuelle scharf. Feindseligkeit gegen Lesben und Schwule sei "nach wie vor ein virulentes Problem" in Berlin, weswegen die Zivilgesellschaft gefordert sei, "Courage zu beweisen und Gesicht zu zeigen gegen Intoleranz und Gewalt." (cw)
Links zum Thema:
» Ondamaris berichtet in seinem Blog über die Mahnwache
Mehr zum Thema:
» Überfall: 23-Jähriger lebensgefährlich verletzt (22.01.09)














