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- 28. Januar 2009 3 Min.
Das Berliner Anti-Gewalt-Projekt Maneo bleibt bei seiner Vermutung, dass es sich bei dem Übergriff am letzten Mittwoch, bei dem ein 23-Jähriger lebensgefährlich verletzt wurde, höchstwahrscheinlich um eine Tat mit "homophober Intention" gehandelt habe.
Von Dennis Klein
Damit widerspricht die schwule Hilfsorganisation Christoph Tischer, dem Chef vom Projekt "Sag Nein zur Gewalt". Dieser hatte behauptet, dass eine Polizeiquelle und ein Zeuge ihm gegenüber bestätigt hätten, bei der Schlägerei habe es sich nicht um einen schwulenfeindliche Tat gehandelt (queer.de berichtete). Vielmehr hätte das vermeintliche Opfer eine Schägerei begonnen. Am Samstag waren in Reaktion auf die Gewalttat bei einer von Maneo und dem Lesben- und Schwulenverband organisierten Mahnwache 500 Menschen auf die Straße gegangen (queer.de berichtete). Tischer hatte kritisiert, dass zur Mahnwache aufgerufen worden sei, ohne die Hintergründe der Tat zu kennen.
Das bestreitet Maneo entschieden: "Anhand unserer Kriterien zur ersten Einschätzung derartiger Fälle halten wir eine homophobe Intention für sehr wahrscheinlich", erklärte Maneo-Projektleiter Bastian Finke am Mittwochnachmittag. Anderslautende Berichte – wie auch die auf queer.de – bezeichnete er als "irreführende Falschmeldungen". Wichtig sei es nun, die polizeilichen Arbeiten zu unterstützen. Maneo habe daher seit der Tat wiederholt nach Zeugen gesucht. Diese können sich nach wie vor ans Maneo-Überfalltelefon (Tel. 030/2163336) wenden.
Allerdings bestätigte Maneo die Darstellung Tischers, nachdem das Opfer per Haftbefehl gesucht wurde. Allerdings sei es falsch, ihm deswegen am Übergriff eine Mitschuld zu geben. Auch nichtbezahlte Mahnbescheide der Berliner Verkehrsbetriebe könnten einen Haftbefehl zur Folge haben.
Polizeiermittlungen noch nicht abgeschlossen
Tatsächlich prüft die Polizei eine Woche nach der brutalen Tat noch, ob es hierbei einen schwulenfeindlichen Hintergrund gab. Dies sei "noch nicht deutlich", erklärte ein Polizeisprecher auf queer.de-Anfrage. Bis das Verfahren abgeschlossen ist, könne man daher noch nichts Konkretes sagen.
Der LSVD Berlin-Brandenburg, der die Mahnwache am Samstag mitorganisiert hat, unterstützt Maneo in seiner Darstellung. Eine Sprecherin bezeichnete Meldungen, wonach es keinen homophoben Hintergrund gebe, als "unwahr". Es sei möglich, dass sich "viele Leute nur wichtig machen" wollten.
In der Szene gibt es aber auch die Ansicht, dass es sich um eine "ganz normale Schlägerei" gehandelt haben könne. So hat Uli Menze, Wirt des "Tabasco", persönlich mit einem Zeugen gesprochen, der unschuldig in die Schlägerei geraten sei. Dieser Mann habe ihm bestätigt, dass das Opfer den Angriff provoziert habe soll. Er halte es für "nicht sehr wahrscheinlich", dass der Angriff aus schwulenfeindlichen Motiven erfolgt ist – um die genauen Hintergründe zu erfahren, müssten aber die Ermittlungen der Polizei abgewartet werden. Bei dem Vorfall könne es sich jedoch "lediglich" um eine "Scheißgewalt-Aktion" gehandelt haben, "wie sie in jedem Kneipenviertel passieren kann".
Auch wenn die Hintergründe dieses Angriffs womöglich in eine andere Richtung deuten könnten, haben schwule Überfalltelefone in der ganzen Republik in den letzten Jahren einen Anstieg der homophoben Gewalt feststellen können. Alle Beteiligten sind sich daher einig, dass dieses Problem nicht bagatellisiert werden darf.















Aber da vorbeugen bekanntlich besser als heilen ist sollte man diesen anscheinend nun doch nicht homophoben Hintergrund zum Anlass nehmen um auf die unzähligen nicht gemeldeten Gewalttaten gegenüber Schwulen und Lesben aufmerksam zu machen.
Dann lieber einmal zuviel marschiert als einmal zu wenig wehret den Anfängen.