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Der oberste Gerichtshof Spaniens hat entschieden, dass Schüler nicht dem Staatsbürgerkundeunterricht staatlicher Schulen fernbleiben dürfen, weil dort Themen wie Toleranz gegenüber Homosexualität gelehrt werden.

Eltern hatten ihre Kinder aus dem Unterricht genommen und vor dem Tribunal Supremo de España geklagt, weil behandelte Themen wie Homo-Rechte oder Stammzellenforschung die Kinder moralisch beeinflussen könnten und damit eine religiöse, konservative Erziehung unmöglich machten. Die Richter folgten dieser Argumentation nicht und wiesen auf die Schulpflicht hin.

Die sozialistische Regierung änderte die Prioritäten beim Staatsbürgerkundeunterricht im Jahre 2007. Seitdem wird mehr Wert auf Menschenrechte und Geschlechtergleichheit gelegt. Es wird auch gelehrt, dass Ehen sowohl von gleichgeschlechtlichen als auch von verschiedengeschlechtlichen Paaren geführt werden können. Das südeuropäische Land hat 2005 die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet (queer.de berichtete).

Bildungsministerin Mercedes Cabrera begrüßte die Entscheidung des Gerichts: "Die Wirklichkeit im gegenwärtigen Spanien ist, dass es viele Arten von Familien gibt, die der Staat anerkennt."

Der Unterrichtsboykott und die Klage wurden von der katholischen Kirche unterstützt. Tausende Schüler hatten zuletzt den Unterricht unter Berufung auf ihr christliches Weltbild geschwänzt.

Auch verschiedene Regionalregierungen, die von der oppositionellen Partido Popular geführt werden, haben sich dem Boykottaufruf angeschlossen. Die Konservativen erklärten im Wahlkampf 2008, sie wollten die Öffnung der Ehe wieder rückgängig machen (queer.de berichtete).

Die Kläger wollen nun eine weitere Klage beim spanischen Verfassungsgerichtshof, dem Tribunal Constitucional de España, anstrengen und zur Not auch zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof nach Straßburg ziehen. (dk)



15 Kommentare

#1 SaschaEhemaliges Profil
  • 03.02.2009, 12:20h
  • Tja, wie man sieht, ist es der Politik entgegen dem auch in unserer (deutschen) Community weit verbreitetem Irrglauben durchaus möglich, einen sehr viel stärkeren und besseren Einfluss auf die demokratische und menschliche Aufklärung von Jugendlichen und ihren Schutz vor kirchlich-religiösen Hass- und Unterdrückungslehren zu nehmen, als dies hierzulande (wo in diesem Punkt weiterhin nichts geschieht) bisher jemals der Fall gewesen ist.

    Aber was will man anderes erwarten in einem Land, in dem der Kanzlerkandidat einer "sozial"demokratischen Partei junge Menschen zur Gehirnwäsche durch Papst und Co. (bzw. deren evangelisch-evangelikale Pendants) vergewaltigen will - siehe die betreffende Initiative in Berlin?!
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#2 dummfugAnonym
  • 03.02.2009, 12:32h
  • Das ist doch mal wieder typisch! Noch nicht einmal hören, geschweige denn sprechen möchte man über andere Lebensweisen und Ansichten. Wie borniert muss man sein, um diesen Gedankenaustausch zu boykottieren!

    Gut, dass der spanische Staat nun klargestellt hat, dass jeder sich mit seinen und damit auch den Grundrechten aller beschäftigen muss. Wie sonst kann jemand von sich behaupten, seine Denkweise hätte er frei entschieden?

    Und klar ist doch auch, warum diese Organisationen zum Boykott aufrufen! Freidenker schwimmen eben auch schon mal QUEER zum Strom. Wenn so ein Schäfchen nicht nur määäh macht sondern auch laut denken darf, könnte es ja wach werden und über den Tellerrand blicken! Das gefährdet ja diese Institutionen so, die nackte Wahrheit!
    Also lieber dumm halten, dann sind die Schäfchen williger... Wie sonst sollte man solche Reaktionen erklären können!
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#3 Mirror
  • 03.02.2009, 12:47h
  • Der Unterrichtsboykott und die Klage wurden von der katholischen Kirche unterstützt. Tausende Schüler hatten zuletzt den Unterricht unter Berufung auf ihr christliches Weltbild geschwänzt.

    Also dass diese Kirche sich aber auch überall reinhängen muss.Gezielter Terrorismus ist das
    und die spanische Regierung müsste ihr so eins auf den Deckel geben dass sie demnächst zweimal überlegt ob sie MISSBRAUCH treibt mit so einer Boykottunterstützung.
    Man sollte die Schüler mal genauso auffordern dem kath.Religionsunterricht zu boykottieren,ich bin sicher auch das wäre ein Erfolg (ist ja auch verständlich wg der Freizeit)
    Spanien ist nun auch in der Rechtsprechung für Europa und seine Homosexuellen ein Hoffnungsschimmer und sollte endlich einen
    Europäischen Fortschrittspreis für Gesellschaftliche Veränderungen bekommen.
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#4 XDAAnonym
  • 03.02.2009, 12:58h
  • Leider können bei uns Türken o.ä. immer noch den z.B. Bio-Unterricht schwänzen, wenn etwas über Sex erzählt wird, das ist eine Frechheit und sollte eben wie in Spanien behoben werden.
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#5 alexander
  • 03.02.2009, 13:15h
  • nie und nimmer hätte es jemand für möglich gehalten, dass dieses, ehemals so erzkatholische spanien zum vorreiter einer zeitgemässen, sozialen und gerechten politik wird !
    das couragierte handeln dieser regierung ist beispielhaft. wenn kinder nicht mehr konservativ erzogen werden können, weil sie ihr wissen erweitern konnten, anstatt mit konservativem müll vollgestopft zu werden, dann spricht das nicht gerade für die konservativen werte !
    religion ist opium fürs volk, dieser spruch bestätigt sich immer wieder !
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#6 stromboliProfil
  • 03.02.2009, 13:15hberlin
  • Antwort auf #4 von XDA
  • was haben wir gelernt: es gibt türken!
    na hauptsache, du hast nicht geschwänzt; obwohl, auch die permanente teilnahme am unterricht garantiert lernen nicht... wie man an der intention deines beitrages ablesen kann.
    5 -, setzen!
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#7 AnneAnonym
  • 03.02.2009, 14:28h
  • @ XDA

    Wo können denn Schüler den Sexualkundeunterricht schwänzen?! Wir (Biologie-Lehramtsstudenten) sind vor gar nicht so langer Zeit an der Uni darauf hingewiesen worden, dass es eben nicht möglich ist, aus religiösen Gründen an Teilen des Unterrichts nicht teilzunehmen, egal ob es der Schwimmunterricht ist, im Biounterricht Tiere aufgeschnitten werden oder eben auch Sexualkunde unterrichtet wird. Der Aufklärungsunterricht ist Teil des Lehrplans und den hat jeder Schüler mitzumachen, so lange er nicht aus gesundheitlichen Gründen an der Unterrichtsteilnahme gehindert ist. (Bundesland: Schleswig-Holstein)
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#8 stromboliProfil
  • 03.02.2009, 14:59hberlin
  • Antwort auf #5 von alexander
  • wir dürfen die geschichte spaniens nicht vergessen: freie wahlen, falange-conterrevolution und deren mörderische unterstützung durch die kirche 1937/1938. Das hinterlässt spuren in der seele eines volkes.
    Etwas was der deutsche nie so recht erlernt hat; sich auf seine geschichte besinnen!
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#9 nadal82Anonym
  • 03.02.2009, 15:35h
  • Antwort auf #8 von stromboli
  • wenn ich als deutsch-spanisches halbblut mal dazu eines anmerken darf: die deutschen haben ihre geschichte wenigstens aufgearbeitet, in spanien steht das noch aus. und eines sollte hier auch nicht vergessen werden: fast die hälfte der spanier stimmte bei der letzten wahl für die partido popular und ihre freunde, die man in vielen politikfeldern getrost mit deutschen npd vergleichen kann.
    der liberale kurs in spanien ist einzig und allein verdienst der sozialisten. hinter ihnen stehen derzeit etwas mehr als die hälfte. das alles ist noch recht fragil.
    grüße
    tomás
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#10 Mirror
  • 03.02.2009, 15:48h
  • Antwort auf #9 von nadal82
  • der liberale kurs in spanien ist einzig und allein verdienst der sozialisten. hinter ihnen stehen derzeit etwas mehr als die hälfte. das alles ist noch recht fragil.

    aber sie haben trotzdem mehr geschafft als wir.

    Deswegen wäre so eine Art ein Europäischer Menschenrechtspreis, auf den alle Spanier stolz sein könnten, vieleicht gar nicht so schlecht.Das würde vieleicht das ganze etwas
    stabilisieren.Und ein bischen Wettbewerb in dieser Richtung könnte ganz Europa ein ganz schönes Stück voranbringen.
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