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Junge Beamte der New Yorker Polizei werden offenbar in Sex-Shops und Spielhallen auf ältere Schwule angesetzt. Sie sollten ihren Opfern sexuelle Dienste gegen Geld anbieten, um sie anschließend zu verhaften. Vorsicht: Einige der Opfer sollen ausländische Touristen sein.

Die demokratische Stadträtin Christine Quinn hat nun gegen diese Praxis protestiert. Sie bezeichnete den Fall in der "Gotham Gazette" als "ungeheuerlichste polizeiliche Maßnahme", von der sie je gehört habe. "Das sind alles unrechtmäßige Festnahmen", so Quinn.

Der Fall wurde über Monate vom Journalisten Duncan Osborne von den "Gay City News" dokumentiert. Ihn erreichten Meldungen über eine starke Zunahme der Verhaftungen um Sex-Shops und neuerdings auch um Spielhallen. So wurden nach einem Gesetz aus dem Jahr 1977 "gegen störende Tätigkeiten in der Öffentlichkeit" im vergangenen Jahr 899 Festnahmen ausgesprochen. 1994 waren es nur 110.

In Interviews erzählten Verhaftete, die meist zwischen 50 und 60 Jahre alt sind, dass sie in diesen Läden von hübschen Männern zwischen 20 und 30 angesprochen worden seien. Diese hätten ihren Opfern Sex angeboten. Vor dem Laden hätten sie dann gesagt, sie würden dafür etwas bezahlen. Selbst wenn das Opfer nicht zustimmt, kämen nach dem Angebot ein halben Dutzend Polizisten in Zivil auf den Mann zu und verhafteten ihn wegen Prostitution, so Osborne.

Eines der Opfer, der 52-jährige Robert Pinter, fiel im Sex-Shop "Blue Door" im East Village auf den Flirt eines 29-jährigen Undercover-Polizisten herein: "Er war nett, aber sehr aufdringlich. Ich wollte ihn für Sex mit nach Hause nehmen. Bei Ausgang hat er gesagt, er würde mir 50 Dollar dafür zahlen. Ich hab nicht darauf reagiert, weil ich das komisch fand."

Vor dem Laden hätten ihn dann mehrere Männer an die Wand gedrückt und Handschellen angelegt. Pinter dachte zunächst, er würde von einer Gang ausgeraubt werden, bis sich einer der Täter als Polizist offenbarte.

Wie viele Männer Opfer der Behörden geworden sind, ist derzeit unklar. Es sollen sich darunter auch eine nicht näher bezifferte Anzahl von ausländischen Touristen befinden. Rechtsanwälte würden den Verhafteten meist empfehlen, sich der Ruhestörung schuldig zu bekennen, um nicht wegen Prostitution angeklagt zu werden. Dann kämen sie meist mit einer Geldstrafe davon. Pinter hat nun aber eine Hilfsorganisation für Polizeiopfer gegründet und will anderen helfen, gegen eine Verurteilung zu kämpfen.

Das New York Police Department äußert sich nicht direkt zu den Vorfällen. Pressesprecher Paul Browne erklärte gegenüber "Gay City News" lediglich: "Es bleibt die Tatsache, dass diese Etablissements berüchtigt sind, weil dort für sexuelle Dienste geworben wird. Die Polizei reagiert lediglich auf Beschwerden aus der Öffentlichkeit."

Prostitution ist in New York – wie auch im größten Teil der Vereinigten Staaten – eine Straftat und kann mit einer mehrjährigen Haftstrafe geahndet werden. (dk)



10 Kommentare

#1 Mirror
  • 06.02.2009, 17:41h
  • ich dachte unter Obama wären jetzt alle etwas
    vorsichtiger.
    Amerika,mir wird schlecht
    .Umgedreht müssten sich die Polizisten und deren Chef eigentlich wegen Anstiftung zu einer Ordnungswidrichkeit oder Straftat verantworten.Da gibts doch sicher
    gute Anwälte die das so drehen könnten .Nein ?
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#2 xyAnonym
  • 06.02.2009, 17:58h
  • Amerika.

    Und da so ziemlich jeder Blödsinn von dort nach einiger Zeit zu uns rüberschwappt (Rauchverbote, Alkoholverbote, "politisch korrekte" Sprach- und Benimmregeln, meist als "Jugendschutz" getarnte Zensur in den Medien usw.), wird es in zirka zehn Jahren bei uns genauso zugehen.

    Wer's jetzt noch nicht glaubt, sollte sich daran erinnern: Über den genannten anderen Quatsch wurde vor zehn, zwanzig Jahren bei uns auch noch der Kopf geschüttelt ("Rauchverbot auf zugigen Bahnsteigen? So'n Unfug.") - heute erscheint er als gesund und selbstverständlich und wehe, irgend jemand wagt, etwas dagegen zu sagen.

    Zudem: Das dürfte doch eine prima neue Einnahmequelle für klamme Stadtkassen sein. Also: 2020 auch in immer mehr deutschen Städten!
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#4 PrignitzerEhemaliges Profil
  • 06.02.2009, 21:42h
  • Antwort auf #2 von xy
  • Ich stimme Dir zu, nur das Wort Blödsinn stört mich, weil Blödsinn ist harmlos. Hier aber handelt sich um Infamie. Aber auch die kann ja überschwappen, und da unser Klima doch zur Zeit wieder ein verdammt homophobes geworden ist, wird's genügend Befürworter geben.
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#5 gerdAnonym
  • 07.02.2009, 01:36h
  • @Prigniter
    Ich stimme hier den Kommentaren in keinster Weise zu, was die einseitige Abfärbungstheorie zwischen Europa/Nordamerika angeht.

    Natürlich gibt es McDreck und Coca-Cola weltweit und viele Dinge (Hollywood/Anglizismen) aus den USA verändern uns, aber in Gesellschaftsfragen war es doch bisher eher umgekehrt. Wir haben hier ein gänzlich anderes Rechtssystem und eine vollkommen andere politische Situation.

    Im übrigen ist es auch falsch immer zu schreiben, was in den Vereinigten Staaten passiert, kommt später auch bei uns an. Häufig ist und war es vielmehr umgekehrt, dass die Gesellschaften Europas die Vereinigten Staaten beeinflußt haben und die Nordamerikaner dann nachziehen.

    Beste Beispiele hierzu sind die Abschaffung der Sklaverei, wo Frankreich (Französische Revolution) begonnen hat.

    Oder aber die Legalisierung von Homosexualität, die ebenso erst in Europa stattfand und in den Südstaaten der USA erst später zum Schluss folgte. Oder aber ebenso die Anerkennung homosexueller Paarbeziehungen, wo ebenso Europa begann (Dänemark, Schweden, Niederlande, usw.) und jetzt die ersten Bundesstaaten in den USA nachziehen und Kanada es sogar schon geschafft hat.

    Gleiches gilt für die staatliche Todesstrafe, die mittlerweile in immer mehr Ländern weltweit geächtet wird und wo jetzt die nördlichen Bundesstaaten der USA ebenso nachgezogen haben. Auch hier werden dann die Südstaaten der USA irgendwann in dieser Frage allein stehen und dem Rest der aufgeklärten Industriestaaten folgen.

    Ähnlich verhält es sich bei der Verschärfung des Waffenrechts, die erst in Europa stattfand und jetzt in zunehmendem Maße auch in den USA umgesetzt wird. Aus den Amokläufen an Schulen werden auch die US-Amerikaner irgendwann lernen.

    Ebenso läßt sich dies jetzt beim allgemeinen Krankenversicherungsschutz beobachten, wo die Amerikaner unserer sozialen Marktwirtschaft im Gesundheitssystem unter Obama folgen werden.

    Daher sehe ich es eher umgekehrt, dass europäische Gesellschaften vielmehr massiv auf Nordamerika und dessen Gesellschaftsstrukturen abfärben und dessen Gesellschaft verändern.

    Vielmehr sollten wir daher unseren Blick auf Gesellschaften wie Schweden, Dänemark oder die Niederlande werfen. Was sich dort an Veränderungen abspielt, kommt auch auf uns meistens zu.
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#6 CarstenFfm
  • 07.02.2009, 12:08h
  • Starkes Stück... besonders wen man bedankt, dass NYC eigentlich zum fortschrittlichen und weltoffenen Teil der USA gehört.

    Naja, als Tourist in New York stellt man ja auch fest, dass die Gay-Szene dort erschreckend langweilig ist, und dass man für schwule Leben in den USA besser nach Kalifornien oder Florida fliegt.... das nur am Rande.

    Das ist ja noch übler als die bekannte Nummer attraktive Polizisten als Lockvögel auf Klappen einzusetzen (wie bei George Micheal, übrigens in LA, CA in die Falle getappt.)

    Es wird Zeit ein paar vorgestrigen Polizeioberen klarzumachen, dass sie dem Primat der Politik unterliegen.... in der Hoffnung dass sich in Obamas Amerika die politische Situation allmählich bessert.
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#7 HannibalEhemaliges Profil
  • 07.02.2009, 12:25h
  • Antwort auf #6 von CarstenFfm
  • "Naja, als Tourist in New York stellt man ja auch fest, dass die Gay-Szene dort erschreckend langweilig ist,"
    Ich weiss zwar nicht wo DU warst, aber DAS kann ich nun wirklich nicht behaupten! Das "Problem" dabei ist nur, dass die interessanten Läden für den Otto-Normal-Touri nicht so einfach zugänglich, bzw. zu finden sind. Ansonsten brennt in der New Yorker Szene die Luft, glaub mir!
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#8 Alex_MGAnonym
  • 07.02.2009, 13:20h
  • Ist mal wieder ein tolles Beispiel für die USA. Man darf mit einer Waffe rumlaufen ohne verhaftet zu werden, aber dann einen auf prüde machen wenn es um Sex geht. So ein Vorgehen ist nicht hinnehmbar.
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#9 TomAnonym
#10 GerdaAnonym
  • 07.02.2009, 14:47h
  • Antwort auf #5 von gerd
  • Du hast recht: Wenn die Polizei nicht nur potentielle schwule, sondern auch heterosexuelle Freier jagt - wie in Schweden -, dann vergrößern sich natürlich die Einnahmequellen für die Staatskasse ungemein. Derweil in den USA die göttlich gewollte Gesellschaftsordnung, Sitte und Anstand geschützt werden müssen, sind es eben in Schweden die Frauen an sich, der Fortschritt, die Menschenwürde, das sozialdemokratische Eiapopeia - irgendwelche Vorwände lassen sich ja immer finden und sind beliebig austauschbar.

    In diesem Zusammenhang freue ich mich auch darauf - gemäß Deiner "Abfärbungstheorie" -, bald zu einer Nummer gemacht zu werden, quasi als Krönung der Menschenwürde. Für manche Deutsche nichts Neues: In der DDR war man das, ganz offiziell, auch schon, die hatte womöglich bereits von Schweden gelernt. Und Prostitution verboten war da auch, offiziell zumindest - in dem zu Staatszwecken gewünschten Maß, in dem man sie doch existieren ließ, benötigte man freilich nicht mal Polizist(inn)en, die sich aufdonnern (im neuen Atommusterland Schweden hoffentlich nur mit ökologisch korrekter Schminke).
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