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Die bereits Mitte Januar verabschiedete "CSD-Charta" des Cologne Pride hat in der Lokalpresse und bei schwulen Bloggern für Aufregung gesorgt: Darin ist nämlich auch eine "Anstands-Erklärung" ("Kölner Stadtanzeiger") enthalten.

In dem zweiseitigen Regelwerk wird der CSD als politische Veranstaltung definiert, die als Ziel Toleranz und die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben anstrebt. Unter Paragraf 3 erklären die Veranstalter vom Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST), dass "alle Verhaltensweisen, die auch im alltäglichen Leben strafbar sind", auch auf dem CSD verboten seien. Als Beispiele nennt die Charta "sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit, die Verbreitung von jugendgefährdenden Schriften sowie die Einnahme illegaler Drogen". Der KLuST sei zwar nicht zuständig für die Sicherheit, arbeite jedoch "eng mit der Polizei und den Ordnungsbehörden". Daher seien die Helfer angewiesen, "im zumutbaren Rahmen" verbotenes Verhalten anzuzeigen. Unklar ist, ob die Helfer jeden Wildpinkler oder jeden Teilnehmer mit einer Hasch-Fluppe im Mund den Behörden melden müssen.

Ferner sollten die Teilnehmer "Taktgefühl" bei ihrem äußeren Erscheinungsbild und beim Verhalten beweisen. Man solle die Toleranz, die Schwulen und Lesben von der Gesellschaft entgegengebracht wird, nicht durch "maßlose Provokation" überstrapazieren. Allerdings gehöre ein nicht näher definiertes "gewisses Maß an Freizügigkeit" zum CSD dazu.

Grund für die Charta war offenbar ein Streit um die geplante Teilnahme des Bordells Pascha beim CSD 2007. Nach heftiger Kritik von lesbischen Aktivistinnen zog das Freudenhaus, in dem auch Kulturveranstaltungen stattfinden, die Teilnahme zurück (queer.de berichtete). Dagegen war im selben Jahr ein Barebackporno-Label beim CSD willkommen, was wiederum zu Kritik aus der Szene führte (queer.de berichtete).

Vertreter des KLuST erklärten, mit der Charta gebe es nun erstmals Regeln für das Miteinander von Heteros, Lesben und Schwulen. Mit diesen Paragrafen gebe es endlich eine gemeinsame Basis. "Wir wollen nicht zur Sittenpolizei des Kölner CSD werden", verspricht KLuST-Vorstandsmitglied Sabine Arnolds.

Auch der "Kölner Stadtanzeiger" begrüßt die CSD-Charta: "Exhibitionistisches Verhalten bestätigt Schwulen-Feinde in ihrem Schubladen-Denken", schreibt das Blatt in einem Kommentar. "Es macht zugleich all die Homosexuellen 'unsichtbar', die sich gesittet verhalten – oder zumindest nicht ungezügelter als Jecke an Weiberfastnacht in der Altstadt."

Unter schwulen Bloggern wird die CSD-Charta teils heftig kritisiert. "Neuer Weg eines Miteinanders oder prüde Provinz-Posse?", fragt etwa Blogger Ondamaris. Der CSD verkomme zur "Fronleichnamsprozession", befürchtet der "Gay Dissenter". Der KLuST reglementiere den Cologne Pride so sehr, dass er "nicht mehr als Veranstaltung schwuler Menschen erkannt wird": "Es soll nunmehr ein an den Vorstellung der Werbewirtschaft, der konservativen Kräfte und religiöser Vereinigungen orientiertes Fest werden, dass schwulenfeindlich eingestellten Menschen jeglicher Couleur wohlgefällt. Eine klinisch reine Party für alle, nur eben nicht mehr für schwule Menschen", befürchtet der Blogger. (dk)

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77 Kommentare

#1 Rabauke1976Anonym
  • 11.02.2009, 14:42h
  • Begrüßenswert in jeder Richtung! Das wurde mal Zeit! Was ich auf CSD- Veranstaltungen schon erlebt habe ( poppen auf der Bank, gegenseitiges anpissen) und da rannten Kids herum. Ich höre noch, wie eine offenbar heterosexuell orientierte Mutter sagte: " Das geht zu weit. Wissen "DIE" denn noch, warum und weshalb der CSD begangen wird." Ich musste dieser Frau voll zustimmen. Knallköppe, die auf einer solchen Veranstaltung sich bekiffen, öffentlich vögeln usw....gehören sofort mit Platzverbot belegt!
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#2 TimmAnonym
  • 11.02.2009, 15:01h
  • Antwort auf #1 von Rabauke1976
  • Ich rege mich auch jedesmal auf, wenn Leute zu weit gehen und sich z.B. in der Öffentlichkeit (teils vor Kindern) einen blasen oder anpinkeln. Das bestätigt nur wieder Klischees und steht dem Abbau von Diskriminierung und weiterer Gleichstellung nur im Wege.

    Es gibt leider Leute, die dort nicht für Gleichberechtigung einstehen wollen, sondern die diese politische Demonstration (das ist es nun mal, auch wenn Party und Spaß nicht zu kurz kommen, was auch gut ist) missbrauchen, um ihre eigenen exhibitionistischen Neigungen auszuleben.... Diese schaden unseren Zielen!

    Das hat auch nichts damit zu tun, dass es dann eine weichgespülte Veranstaltung für jeden, nur nicht für Homos, wäre. Oder definieren wir uns etwa darüber, Sex vor Kindern zu haben?!

    Natürlich gibt es ein großes Problem:
    jede Grenze ist immer willkürlich und jeder würde sie woanders setzen.

    Am besten wäre es natürlich, jeder hätte soviel Anstand und Intelligenz, gewisse Dinge in der Öffentlichkeit zu unterlassen. Da das wohl nicht funktioniert, müssen aber Regeln her!

    Aber diese Regeln dürfen nicht dazu führen, dass man nicht mehr provozieren darf (z.B. durch Plakate wie "Was geht Euch an, wen ich ficke", etc.). Und auch leidenschaftliche Zungenküsse etc. sollten nicht verboten werden.

    Und erst recht sollte es erlaubt sein, Kritik an Kirchen zu äußern. Es darf nicht nochmal passieren, dass eine Papstpuppe aufgrund einer einzelnen Beschwerde von der Polizei entfernt wird, obwohl das freie Meinungsäußerung ist!!!!!!!!!!!

    Meine Meinung:
    das was nicht auf den CSD gehört (Sex in der Öffentlichkeit, u.ä.) ist eh gesetzlich verboten. Man kann die natürlich noch mal aufschreiben, aber das ist eigentlich sinnlos, da das eh schon gilt. Nur müssen diese Gesetze auch mal durchgesetzt werden!

    Aber:
    Alles, was gesetzlich erlaubt ist, muss natürlich auch auf einem CSD erlaubt sein! Die Regeln für einen CSD dürfen nicht über Gesetze hinausgehen! Spätestens dann wäre es wirklich Zensur und lächerlich!

    Fazit:
    eigentlich reichen die herrschenden Gesetze. Davon sollte es keine Ausnahmen geben, aber sie sollten auch nicht freiwillig verschärft werden.
    Man muss eigentlich nur mal geltendes Recht konsequent anwenden! Dann wäre alles okay...
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#3 BearCGNProfil
  • 11.02.2009, 15:04hKöln
  • Natürlich ist nicht Alles (öffentlicher Sex, Drogenkonsum etc.) beim CSD erlaubt, aber man darf das Bad nicht mit dem Kinde ausschütten! Nicht alles was Mann und Frau beim CSD sehen gefällt auch jedem, aber so ist das nun mal mit der Freiheit. "Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden," so Rosa Luxemburg.

    Da wird sich Papst Benedikt, Pro Köln oder die Pius-Bruderschaft doch freuen, jetzt sorgen die Schwulen und Lesben in den eigenen Reihen für Zensur und Diskriminierung. Jetzt scheint der KLUST tatsächlich "Mitten in der Gesellschaft" angekommen zu sein, aber in der Gesellschaft von Erzkonservativen, Rechtsradikalen und Moralaposteln! Damit hat der KLUST sein selbstverliehenes Siegel das Sprachrohr für die Kölner Schwulen und Lesben wohl endgültig verspielt und der Lächerlichkeit preisgegeben.

    Dem KLUST scheint nicht ganz klar zu sein, welchen Bärendienst er mit diesem Statement der Kölner Community und dem CSD Köln insgesamt erwiesen hat. Wie Markus Danuser (selbst Rechtsanwalt) Denunziation und öffentliche Pranger fordern kann bleibt schleierhaft.
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#4 seb1983
  • 11.02.2009, 15:20h
  • Regeln beim CSD? Da ist der Aufschrei groß, klar. Ich bin schwul ich darf doch alles.

    Aber: Der CSD ist kein Freifahrtschein für schlechtes Benehmen in aller Öffentlichkeit um seinen Exhibitionismus auszuleben.
    Er ist eine politische Demonstration!
    Daher sehe ich diese Regelung eher als eine Chance wieder zum Kern eines CSD's zurückzukommen.

    Viele Kommentare die ich sonstwo dazu gelesen habe sagen letztendlich nur:
    Wenn ich nicht mehr auf der Parkpank öffentlich ficken darf warum soll ich dann zu nem CSD fahren?
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#5 MalteAnonym
  • 11.02.2009, 15:21h
  • Ich stimme Timm zu!

    Das was gesetzlich verboten ist, sollte natürlich auch beim CSD verboten werden. Deswegen wird er weder zur "Fronleichnamsprozession" noch sind die Leute, die sich z.B. an Anpissen vor Kindern stören, Denunzianten, wenn sie ihre demokratischen Rechte wahrnehmen!

    Aber es darf natürlich nicht über die gesetzlichen Regeln hinausgehen:
    Zungenküsse, Banneraufschriften wie ficken, blasen, etc., Papst- und Kirchenkritik, etc. etc. etc. müssen natürlich erlaubt sein!!

    Ein CSD darf und soll auch mal ein wenig frech sein und provozieren. Nur sehe auch ich, wie gesagt, die Grenze bei illegalen Handlungen. Das schadet unseren Zielen (und das nur, weil manche ihren privaten Fetisch in der Öffentlichkeit ausleben wollen und dafür den CSD missbrauchen). Illegales muss verhindert werden. Aber alles andere natürlich nicht!!
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#6 MalteAnonym
  • 11.02.2009, 15:25h
  • PS:
    Ich finde es übrigens nicht schockierend, dass man erklärt, dass der CSD kein rechtsfreier Raum ist und dass dort genauso die rechtlichen Grundlagen der Demokratie gelten, wie anderswo auch.

    Ich finde es viel schockierender, dass man manche Leute daran erinnern muss!

    Würden Küsse, provozierende Slogans, Worte wie "ficken", Kirchenkritik, etc. verboten, könnte ich die Kritik verstehen, aber mir ist schleierhaft, wie manche Leute von Fronleichnamsprozession, Verlust schwuler Werte, etc. sprechen können, weil man an geltendes Recht erinnert und z.B. nicht mehr vor Kindern fickende Menschen sehen will...
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#7 kalifVonKoelnAnonym
  • 11.02.2009, 15:30h
  • ICH FINDE ES FURCHTBAR WIE HIER DIE HASCH FLUPPE VERHERLICHT WIRD.

    MIR WIRD IMMER SCHWINDLICH WENN IC HDAS RIECHE. WERDE DIESMAL DIE POLIZEI RUFEN WENN ICH DAS NOCHMAL SEHEN MUSS. AUF DER TANZBUEHNE WAREN IMMER KIFFER, WARUM REICHT DIE GUTE MUSIK NICHT AUS?

    GOTTVERDAMMTE DROGENNEHMER.
    ICh werde dieses jahr vorab die polizei per fax anonym ueber die kiffer auf der tanzbuehne informieren. es haengt mir sowas vom hals raus. leute es reicht. nehmt eure drogen woanders ihr schwaechlinge.
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#8 kölsche Jeck76Anonym
  • 11.02.2009, 15:46h
  • Aloa CSD

    Na endlich komischer Weise ist gerade der Kölner CSD aus der Reihe der von mir besuchten, der der aus der Rolle fällt.
    Man kann über Stuttgart ja sagen was man will aber ich habe auf dem CSD dort keinen einzigen nackten Arsch gesehen oder Pisselsen die ihrer Leidenschaft in der Öffentlichkeit nachgingen und ich hatte trotz aller Vorbehalte als Kölner mehr Spaß als auf dem heimischen CSD.
    ABER komischerweise sind es nämlich meist die "auswärtigen" die da meinen sie müssten den Nimbus der grenzenlosen Freiheit in einem Maß strapazieren das peinlich ist.
    Die gute Rosa Luxenburg mag zwar Recht haben mit ihrer Freihheit und dem andersdenken aber ich halte es eher mit dem Spruch "Takt ist die Kunst zu wissen wie weit man zuweit gehen kann"

    In diesem Sinne happy CSD
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#9 SuperMarioEhemaliges Profil
  • 11.02.2009, 16:05h
  • Ich selbst habe ja nichts gegen öffentlichen Sex, vielleicht kann mich ja mal ein Psychologe darüber aufklären, welche schädlichen Auswirkungen der Anblick von Sex bei Kindern auslöst.
    Nun gut, öffentlicher Sex gilt als Ordnungswidrigkeit, unabhängig ob CSD ist oder nicht, und wird geahndet.

    "Ferner sollten die Teilnehmer "Taktgefühl" bei ihrem äußeren Erscheinungsbild und beim Verhalten beweisen. Man solle die Toleranz, die Schwulen und Lesben von der Gesellschaft entgegengebracht wird, nicht durch "maßlose Provokation" überstrapazieren. Allerdings gehöre ein nicht näher definiertes "gewisses Maß an Freizügigkeit" zum CSD dazu."

    Ja, was soll das jetzt heißen? Verstößt es gegen das "Taktgefühl", als Lederkerl seinen nackten Arsch zu zeigen, als Meister seinen Sklaven an der Leine herum zu führen oder als Transe in Strapse herum zu tucken?
    Diese Dinge gelten, soweit ich weiß, nicht als Ordnungswidrigkeit, deshalb sollte sich auch niemand davon abhalten lassen. Soll jeder, wenn er/sie will, Titten und Arsch zeigen und herum knutschen, tucken und transen, wie es ihm/ihr gefällt. Da würde ich mir vom KLuST nichts erzählen lassen, falls sie das damit gemeint haben.
    Wäre schön, wenn sie sich da etwas genauer ausdrücken könnten.
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#10 SaschaEhemaliges Profil
  • 11.02.2009, 16:26h
  • Wie man sieht: Die schwulen Prohibitionisten, die ihresgleichen spießbürgerlich gängeln, unterdrücken und insbesondere zu widerwärtigem Denunziantentum anstacheln wollen, sind immer mehr auf dem Vormarsch.

    Auf einen solchen "CSD", der damit endgültig zur heteronormativ getrimmten, kommerziellen Posse verkommt, können wir getrost verzichten, oder noch mehr: Wir sollten ihn sabotieren!
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