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Die "besten queeren Filme des Jahres" in einer Woche gucken

Im September zeigt das queerfilmfestival in 13 Städten insgesamt 19 herausragende nicht-heterosexuelle Filme im Kino - bis auf wenige Ausnahmen deutsche Erstaufführungen.

  • 02. Juli 2022, noch kein Kommentar

Auch in diesem Jahr lädt das queerfilmfestival ins Kino: Eine ganze Woche lang, vom 8. bis zum 14. September zeigen der Filmverleih Salzgeber und die Queere Kulturstiftung die nach ihrer Einschätzung "besten queeren Filme des Jahres" – und zwar in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Fürstenwalde, Halle (Saale), Köln, Leipzig, Magdeburg, München, Nürnberg, Stuttgart und Wien.

Im Programm finden sich Highlights aus Cannes, Toronto, Locarno sowie von der Berlinale. Bis auf wenige Ausnahmen laufen die Filme als deutsche Erstaufführungen.

Als Eröffnungsfilm wird François Ozons raffinierte Verneigung vor Rainer Werner Fassbinder gezeigt. "Peter von Kant" ist eine Art Remake von Fassbinders Meisterwerk "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (1972), statt drei Frauen umschwirren sich in der intimen Enge einer eleganten Künstlerwohnung hier aber drei Männer.

Eva Beling nimmt uns mit auf eine Reise durch die queere Filmgeschichte Schwedens. Für "Vorurteil und Stolz" hat sie sich in den Filmarchiven auf die Suche nach nicht-heteronormativen Geschichten, Figuren und Momenten gemacht – und aus ihren sagenhaften Funden sowie zahlreichen Interviews mit Filmemache*innen und Fachleuten eine unterhaltsame Neulektüre im Dienste queerer Sichtbarkeit gemacht.

Die australische Regisseurin Katie Found begleitet in ihrem intimen Coming-of-Age-Drama "Mein erster Sommer" zwei Außenseiterinnen, die im sonnendurchfluteten Sommeridyll eines abgelegenen Hauses das Glück zu zweit entdecken.

Mit bitterbösem Humor zeichnet Idan Haguel eine bissige Satire über ein schwules Paar in Tel Aviv und dessen Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. "Concerned Citizen" ist eine fein strukturierte sozialkritische Parabel über unhinterfragte Privilegien und tief sitzende Vorurteile.

Auf Basis seines eigenen Liebestagesbuchs erschafft Mohammad Shawky Hassan in "Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?" eine metareflexive queere Variante von "Tausendundeine Nacht": ein nicht-heteronormatives Musical, das arabische Volkssagen mit ägyptischer Popmusik kombiniert und Lieder und Gedichte multimedial zu neuer, leuchtender Entfaltung bringt.

Der argentinische Regisseur Mariano Biasin erzählt in "Sublime" aus der Perspektive eines schwulen Teenagers von einem Gefühlschaos, das wohl jede*r schon einmal erlebt hat: Was passiert mit einer Freundschaft, wenn plötzlich Liebe und Begehren ins Spiel kommen?

Eine introvertierte 17-Jährige verliebt sich in Marley Morrisons herrlich skurriler Coming-of-Age-Komödie "Sweetheart" im eigentlich stinklangweiligen Familienurlaub an der englischen Südwest-Küste in eine nach Chlor duftende Rettungsschwimmerin.

Erstmals in Deutschland zu sehen sind die restaurierten Fassungen von zwei kontroversen Meisterwerken des wegweisenden US-amerikanischen Regisseurs und Pornostars Fred Halsted: Seine Cruising-Fantasie "L.A. Plays Itself" (1972) und das Autowerkstatt-Lustspiel "The Sex Garage" (1972) bilden das explizites Kino-Spätprogramm "L.A. Plays Itself – The Fred Halsted Collection".

"Nelly & Nadine" von Magnus Gertten erzählt die unglaubliche Liebesgeschichte zweier Frauen, die sich 1944 als Gefangene im Konzentrationslager Ravensbrück ineinander verliebt haben und später zusammen bis nach Venezuela gegangen sind, um dort ihre Liebe frei leben zu können.

In "Zwischen uns beiden" von Jude Bauman nimmt ein lesbisches Paar einen Mitbewohner auf, um Geld für eine künstliche Befruchtung zusammenzubekommen – und gerät in einen Liebestaumel.

Adam Kalderons hochsommerliches Sportdrama "Der Schwimmer" über den Kampf um das letzte Olympiaticket in einem israelischen Schwimmteam geizt nicht mit (halb)nackten Tatsachen und einer reizvollen Spannungskurve.

"Irrlicht", der neue Filme des portugiesischen Kultregisseurs João Pedro Rodrigues, kommt frisch aus Cannes und ist eine wunderbar wilde und perfekt choreografierte Mischung aus Musical, Folklore und queerer Erweckungsgeschichte im Zeichen des Umweltschutzes.

In "Wet Sand" reist eine junge Frau in ein Dorf am Schwarzen Meer in Georgien, um ihren Großvater zu beerdigen – und stößt auf ein Netz aus Lügen und Geheimnissen. Elene Naverianis in Locarno ausgezeichnetes Außenseiter:innen-Drama ist ein filmisches Manifest gegen Homophobie.

An der St.-Sebastian-Akademie sind alle Studenten schwul, jedes Seminar dreht sich um Homosexualität und der Campus vibriert nur so vor erotischen Ränkespielen – die ideale Kulisse für Ylva Forners skurriles und super-queeres SM-Melodram "The Schoolmaster Games".

Uli Decker rekonstruiert in "Anima – Die Kleider meines Vaters" die berührende Lebensgeschichte ihres Vaters, der in den 1950er und 60er Jahren ein Doppelleben als Crossdresser zwischen der bayrischen Provinz und Italien führte.

Von einem tragischen Doppelleben handelt auch Rosa von Praunheims neuer Film "Rex Gildo – Der letzte Tanz" – ein halb fiktionales, halb dokumentarisches Porträt des Unterhaltungskünstlers Rex Gildo, der jahrzehntelange eine geheime Liebesbeziehung mit seinem Entdecker und Manager Fred Miekley führte.

Die finnische Regisseurin Alli Haapasalo erzählt in ihrem wilden Freundinnenfilm "Girls Girls Girls", der in Sundance mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, vom unbändigen Lebenshunger dreier junger Frauen und dem Gefühl, dass man einem anderen Menschen so nah sein will, dass es nicht reicht, nur seine Haut zu berühren.

Die Suche nach seiner Mutter führt einen Teenager in "Wildhood" durch die betörende Landschaft von Novia Scotia, dem ehemaligen Stammesgebiet der indigenen Mi'kmaq. Elegant verknüpft Bretten Hannam in seinem Road Movie die Suche eines Jungen nach seiner kulturellen Identität mit seinem sexuellen Erwachen.

Das genaue Programm gibt es (nach und nach) auf der Festival-Homepage. Tickets können direkt über die beteiligten Kinos gebucht werden. (cw/pm)



02. Juli 2022
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