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Liebe gegen alle Widerstände

In Kürze im Kino: Der Dokumentarfilm "Nelly & Nadine" erzählt die unglaubliche Liebesgeschichte zweier Frauen, die sich in einem Konzentrationslager ineinander verlieben.

  • 01. September 2022, kein Kommentar

Nelly und Nadine beginnen ihre lebenslange Liebesreise am Heiligabend 1944 im KZ Ravensbrück. Die belgische Gefangene und Opernsängerin Nelly Mousset-Vos war gebeten worden, Weihnachtslieder in einer von Franzosen bewohnten Baracke zu singen. Nach ein paar Liedern ruft eine Stimme aus der Dunkelheit: "Sing etwas von Madame Butterfly!".

Nelly zögert, doch dann singt sie "Un bel di vedremo", eine Arie über das Warten auf einen Geliebten. Anschließend tritt die Frau aus der Dunkelheit heraus, die um das Lied gebeten hatte. Sie küsst Nelly und sagt: "Der liebe Gott war heute gütig zu uns".

Ihr Name ist Nadine Hwang, und Nelly und Nadine werden in diesem Moment ein Paar und verbringen so viel Zeit zusammen wie möglich. Doch nach zwei Monaten werden sie getrennt, als Nelly in ein anderes Lager verlegt wird. Als sie gegen Ende des Krieges befreit werden, schaffen sie es, sich wieder zu vereinen und beschließen, ein gemeinsames Leben aufbauen. Über viele Jahre wurde Nelly und Nadines lebenslange Beziehung geheim gehalten, sogar vor einigen ihrer engsten Familienmitglieder.

Jetzt hat sich Nellys Enkelin Sylvie entschieden, Nellys und Nadines verborgenes Privatarchiv zu öffnen, und sie entdeckt ihre bemerkenswerte Geschichte. Darunter Fotos, Liebesbriefe und Filmrollen.

Im Archiv befindet sich auch ein von Nelly geschriebenes Tagebuch. In diesen bisher unveröffentlichten persönlichen Notizen erzählt sie ihre Lebensgeschichte inklusive Details über das Verliebtsein inmitten des Horrors eines Konzentrationslagers, die komplizierte Wiedervereinigung mit Nadine nach dem Krieg, dem Entschluss zum Umzug nach Venezuela, um dort ihre Beziehung frei leben zu können – und in den frühen 1970er Jahren nach Europa zurückzukehren und die letzten Jahre ihres Lebens in Brüssel zu verbringen.

"Nelly & Nadine" ist eine bemerkenswerte Geschichte über Kriegsleiden, Mysterien, Liebe gegen alle Widerstände und die Heilkraft der Musik.; über gut gehütete Geheimnisse und die komplizierten Familiengeschichten der Überlebenden der Konzentrationslager, die immer noch versuchen, mit den Geistern der Vergangenheit fertig zu werden.

Die Doku von Magnus Gertten wurde im Februar auf der Berlinale uraufgeführt und gewann bei den Teddy Awards den Preis der Jury (queer.de berichtete). Als Highlight des diesjährigen queerfilmfestivals, das vom 8. bis 14 September 2022 parallel in 13 deutschen Städten stattfindet, kommt sie nun ins Kino zurück. Der reguläre Kinostart im Verleih von Rise And Shine Cinema ist am 25. November 2022. Eine ausführliche Besprechung folgt. (cw/pm)


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