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Homophober Priester von Bühne gestoßen
Eine offenbar psychisch kranke Angreiferin schubste den bekanntesten TV-Prediger Brasiliens während eines Gottesdienstes mit 50.000 Gläubigen.
- 16. Juli 2019,
Zu dem Angriff kam es am Sonntagnachmittag bei einem live im Fernsehen übertragenen Abschlussgottesdienst eines katholischen Jugendfestivals in Sao Paulo. Marcelo Rossi, einer der bekanntesten Fernsehprediger des Landes, hielt gerade seine Predigt, als eine 32-Jährige an Sicherheitspersonal vorbei auf die Bühne stürmte und den 52-Jährigen rund ein Meter in die Tiefe von der Bürne schubste.
Die Angreiferin wurde danach festgenommen und auf eine Polizeiwache gebracht. Über ihre Motive gab es zunächst diverse Spekulationen in brasilianischen Medien; später hieß es seitens der Behörden, sie sei offenbar psychisch krank. Sie selbst gab Medienberichten zufolge an, an einer bipolaren Störung zu leiden und sich einer psychiatrischen Behandlung zu unterziehen; während einer Vernehmung sagte sie, sie habe nur mit Rossi reden wollen, dann aber aufgrund des Security-Personals Panik bekommen. Die geschiedene Pflegetechnikerin, die mit ihrem drei-jährigen Sohn zu der Messe gefahren war, wollte sich nach Verlassen der Wache gegenüber Medien nicht äußern: der Vorfall gehe nur sie und Rossi etwas an.

Am Montag betonte Rossi in seinem Youtube-Kanal, es sei ein "Wunder", dass er nicht schwerer verletzt wurde. Er danke Gott und der Mutter Gottes
Der Angriff hatte für Entsetzen unter den rund 50.000 Gläubigen vor Ort gesorgt. Rossi erlitt nach eigenen Angaben nur leichte Prellungen und konnte den Gottesdienst wenig später fortsetzen. Am Montag sagte er, er werde für die Angreiferin beten und keine Anzeige stellen. Viele von Rossis Anhängern forderten hingegen eine Bestrafung der Frau und stellten den Angriff als Christenfeindlichkeit dar. "All unsere Solidarität mit Pater Marcelo Rossi", schrieb Brasiliens rechtsextremer und homofeindlicher Präsident Jair Bolsonaro bei Twitter. "Gott schau auf unser Brasilien."
In sozialen Netzwerken sorgte der Vorfall zugleich für viel Spott. Rossi ist der bekannteste katholische Priester des Landes, der mit seinen Sendungen ein Millionenpublikum erreicht und im Rahmen der charismatischen Bewegung mit Show-Gottesdiensten mit Musik eine Evangelisierung betreibt, die an evangelikale Kirchen verlorene Gläubige zurückerobern versucht. 2011 eröffnete Rossi, der für Sony und Universal auch mehrere teils millionenfach verkaufte Musik-CDs veröffentlichte, ein Glaubenszentrum in Sao Paulo mit der größten katholischen Kirche in Lateinamerika.
Seinen großen Einfluss nutzte Rossi auch gegen LGBTI-Rechte. 1998 sagte er in einer TV-Show, dass sich vieles verändern werde "an dem Tag, an dem bewiesen wird, dass Homosexualität eine Krankheit ist". 2012 meinte er zur Debatte zur Ehe für alle, dass gleichgeschlechtliche Personen keine Beziehung führen sollten, da dies nicht von Gott gewollt sei. 2014 betonte er: "Sex zwischen Männern erzeugt Schmerz. Wenn etwas Schmerz erzeugt, kann das nicht etwas gutes sein." (nb)
















