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"Deutschungshoheit" über Berliner Kolonialgeschichte
Im Song "Deutschungshoheit" nimmt Sängerin Malonda das weißdeutsche Selbstverständnis auseinander, prangert Rassismus an und erinnert an die BIPoC-Widerstandsgeschichte
- 15. Dezember 2022, kein Kommentar
Achan Malonda ist Sängerin, aber auch Aktivistin. Als Teil des von ihr mitbegründeten QTI*BIPoC-United-Kollektivs organisierte sie eine der Sterndemos mit, die im von den Corona-Beschränkungen geprägten Sommer 2021 auf den Alexanderplatz zuliefen. Die Fortsetzung im September 2022 musste wegen der Gewaltwelle gegen transgeschlechtliche Personen abgesagt werden (queer.de berichtete).
Für den Song "Deutschungshoheit" hat sie sich die Sängerin Melane Nkounkolo und den Rapper Roger Rekless zwischen M-Straße und Ku'damm nach Berlin geholt. Herausgekommen sind ein Song samt Videoclip, der die Rassismuserfahrungen von Schwarzen in Deutschland und das weißdeutsche Selbstverständnis nach Kolonialismus, Nationalsozialismus und "Vergangenheitsbewältigung" sowie rassistische Kontinuitäten verarbeitet.
Im Video ist immer wieder die Banane als Symbol der deutschen Einheit von Ost und West, aber eben auch der unsichtbar gemachten, gemeinsamen kolonialen und postkolonialen Beziehungen präsent. Angefangen beim Konrad-Adenauer-Zitat, wonach die Frucht "Hoffnung für viele" und "Notwendigkeit für uns alle" sei, bis hin zur mit Bananen befüllten Schubkarre, die die Künstler*innen beim Videodreh durch Berlin fuhren. So wurde die Frucht, neben einer Pride-Fahne, zum Aufhänger für rassistische Attacken, Drohungen und einen typischen Berliner Polizeieinsatz mit eindrucksvollen O-Tönen.
Der Clip zeigt zudem Bilder von Protestaktionen gegen die Vorführung des den Kolonialismus glorifizierenden Films Africa Addio im Astor-Kino am Kurfürstendamm 1966. Bei einer dieser Aktionen stürmten Schwarze und weiße Demonstrant*innen das Kino, zerstörten Sitze und beschmierten die Leinwand. Polizist*innen sicherten das Kino und nahmen Demonstrant*innen fest, doch schließlich musste der Film abgesetzt werden.
Auch sonst sind die Auswirkungen der Kolonialzeit, aber auch der Widerstandsgeschichte Schwarzer Deutscher, im Berliner Stadtbild präsent. Eine Drohnenaufnahme im Abspann markiert die entsprechenden Orte – etwa den Treptower Park wegen der ersten deutschen Kolonialausstellung, die dort 1896 stattfand.
Die war Auftakt zu vergleichbaren Propagandaausstellungen zur Beteiligung von Bevölkerung und Investor*innen bei der Unterwerfung der Kolonien und der dort Lebenden – auch durch die "Ausstellung" von 106 aus diesen Gebieten nach Berlin geholten Menschen, die dort wiederum gegen ihre Behandlung protestierten. Und auch der Bezug zwischen Rassismus, Sexualität und Geschlechterverhältnissen ließe sich an diesem Marker deutscher Kolonialgeschichte erzählen.
So wurde in der Deutschen Kolonialzeitung der an den "Völkerschauen" ebenfalls vorgeführte Herero Friedrich Mahaherero erwähnt, der "für sklavische Frauenseelen zur königlichen Hoheit wurde" – gemeint waren weiße Frauen und Mädchen, die man im Kolonialismus aktiv davon abhielt, den so konstruierten, vermeintlichen hypersexuellen Reizen Schwarzer Männer zu erliegen.
Es ist die deutsche Gewaltgeschichte, die für Schwarze und alle PoC-Personen bis heute massive Ausgrenzung und physische wie seelische Gewalt bedeutet und die, so der Vorwurf an weiß dominierte CSD-Strukturen und queere Vereine, auch in LGBTI-Strukturen präsent ist. Das könnte man angehen. So, wie es etwa auch das QTI*BIPoC-United-Kollektiv unter anderem mit Achan Malonda tut.
Für ihren Einsatz sollte die Aktivist*innengruppe auf dem diesjährigen, "großen" CSD Berlin eigentlich den "Soul of Stonewall"-Award verliehen bekommen. Eigentlich. Doch dafür war dann, in letzter Minute, leider leider keine Zeit mehr (queer.de berichtete). (jk)

















