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"Niemand hat mir gesagt, wie einsam es ist, ein Mann zu sein"

James Barnes ist trans Mann. Seine besondere Sichtweise ermöglicht ihm die schmerzliche Einsicht in die mangelnde männliche Verbindung zu anderen Menschen.

Vor acht Jahren transitionierte James Barnes. Doch seine Erinnerungen daran, wie es war, als Frau beziehungsweise als Mädchen zu leben, hat er nicht verdrängt. Die Fähigkeit, das Erleben von Männern und dasjenige von Frauen ein Stück weit vergleichen zu können, macht er stattdessen für andere Männer und die Gesellschaft nutzbar. Und zwar in einem sehr persönlichen und emotionalen Video.

Niemand habe ihm vor der Transition klar gemacht, wie einsam es sei, ein Mann zu sein, so Barnes in dem Video, das jetzt große Aufmerksamkeit erregt. Der Grund: Frauen seien seiner Erfahrung nach viel offener und zu viel tieferen Beziehungen imstande. Allerdings seien sie das eben nur gegenüber anderen Frauen.

Früher selber noch weiblich wahrgenommen, habe Barness sogar Freund*innenschaften auf öffentlichen Toiletten geschlossen, die tiefer gewesen seien als das, was er in all der Zeit seit seiner Transition habe erleben dürfen. Ein Befund, der nicht nur theoretisch erschütternd ist, sondern dem transgeschlechtlichen Instagramer selbst Tränen und eine stockende Stimme entlockt.

Wie die Gesellschaft Männer behandle, sei gefährlich für sie, so Barnes. Er verstehe zwar, warum Frauen und geschlechtliche Minderheiten sich Männern gegenüber so kalt verhielten: "Frauen und marginalisierte Gruppen haben jedes Recht dazu, gegenüber Männern zurückhaltend zu sein. Es gibt schreckliche und gefährliche Männer, die wir stoppen müssen."

Aber: Männer seinen Menschen und gegenüber der Kälte und dem Fehlen von Empathie nicht immun. Die, die nicht gefährlich seien, müssten die dabei zerbrochenen Scherben oft allein aufsammeln. Barnes wolle Aufmerksamkeit darauf lenken, dass die Gesellschaft es Männern nehme, empathisch, verletzlich und freundlich zu sein und sie dann dafür herabwürdige, nur Wut, Aggression und Gewalt zu kennen.

Der Instagramer glaubt, dass auch viele andere transgeschlechtliche Männer aus ihrer Zeit vor der Transition wüssten, was Tiefe in Beziehungen sei und wie es sich anfühle, Menschen zu haben, die einen umarmen und mit einem reden wollten. "Und dann hast du deine Transition und dann bist du nur ein Kerl, der die Straße entlang läuft und Leute wechseln die Straßenseite, so dass sie dir nicht nahe sind" beklagt sich Barnes. Freund*innenschaften seien seither "so viel schwieriger" aufzubauen. Menschen seien kälter und unverbundener.

Es sei legitim, wie sich Frauen und marginalisierte Gruppen gegenüber weißen cisgeschlechtlichen Männern fühlten. Aber nun verstehe er auch, warum die Suizidrate unter Männern so viel höher sei: "Weil diese Scheiße so einsam ist!"

Obwohl das Video bereits von Oktober vergangenen Jahres stammt, wurden nun verschiedene Medien darauf aufmerksam. Der Grund: Der rechte Twitteraccount "Libs of TikTok" verbreitete den Clip am Samstag auf der nach rechts gerückten Plattform, weil er darin einen Beleg dafür sieht, dass es eben unmöglich sei, ein Mann zu "werden": "Das ist wirklich traurig. Trans Mann realisiert, wie hart es ist, ein Mann zu sein, wenn du in Wahrheit eine Frau bist. Männer und Frauen sind anders und egal, was du mit deinem Körper tust, kannst du nicht das gegenteilige Geschlecht sein."

Dabei sind diejenigen Männer, die milliardenfach unter letztlich unnötiger Einsamkeit, zwischenmenschlicher Kälte und mangelnden Freund*innenschaften leiden, in der absolut überwiegenden Mehrheit cisgeschlechtlich. So braucht es wohl Männer mit einer etwas anderen Perspektive auf ihr eigenes Mannsein, um diese schreckliche Wahrheit zu adressieren.

So haben die lachenden rechten Twitter-Nutzer*innen am Ende doch etwas Gutes bewirkt: Mehr männliche Nutzer bekamen die Männlichkeitsbeobachtungen von Barnes zu sehen. (jk)


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#1 AnonymAnonym
  • 13.06.2023, 15:55h
  • Deshalb ist es wichtig, dass wir die Geschlechterrollen aufbrechen, da manche cis Menschen tatsächlich glauben, dass Männer keine emotionen haben und Frauen den ganzen Tag weinen. Das die Rechten,dass wieder ausschlachten ist dumm. Man kann nicht wissen wie es ist von der Gesellschaft als Mann behandelt zu werden, so lange man noch als weiblich gelesen wird.
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#2 dudeAnonym
  • 14.06.2023, 18:48h
  • "So braucht es wohl Männer mit einer etwas anderen Perspektive auf ihr eigenes Mannsein, um diese schreckliche Wahrheit zu adressieren."

    Ist das so, oder ist das genau das, was eigtl u.a. von der Person kritisiert wird? Wenn man als Mann solch eine Behauptung aufstellen würde, das man es schwer hat, einsam ist, das man viel Kälte entgegengebracht bekommt, dann wird man dafür als Mann doch nur ausgelacht und kritisiert. Und selbst hier, wird eine "Unterscheidung" gemacht, via "Perspektive". Ironisch und traurig zugleich...
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