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Wie verführe ich meinen Sportlehrer?

Verehren und Begehren stehen in Marco Bergers Spielfilm "Ausente" im Mittelpunkt. Der Gewinner des Teddy Awards 2011 kommt jetzt zurück ins Kino.

  • 27. August 2023

Ein Teenager, der versucht, sich gerade seiner Sexualität klarzuwerden, die sich von denen seiner Freunde unterscheidet. Und ein erwachsener Lehrer, der zunächst verunsichert auf die immer eindeutigeren Avancen seines Schülers reagiert. Schreit hier schon jemand "Missbrauch"? Nun, wer das tut, liegt komplett falsch. In Marco Bergers Film "Ausente" wird dieser Plot anders erzählt. Es geht um ein gefährliches Spiel, das der junge Mann da spielt.

Die Story: Athletische Körper in knappen Badehosen. Verstohlene Blicke unter der Dusche nach dem Schwimmunterricht. Dem mitten in der Pubertät steckenden Martín hat es vor allem sein Sportlehrer Sebastián angetan. In vollem Bewusstsein, dass er den hilfreichen Pädagogen zunehmend kompromittiert, erschleicht sich der 16-Jährige unter fadenscheinigen Vorwänden eine Nacht in dessen Wohnung. Während dieser schläft, geht Martín aufs Ganze.

Der Titel des argentinischen Films bedeutet übersetzt "Abwesend", und abwesend ist hier das Wort. Vielmehr sagen die Blicke zweier schwer durchschaubarer Männer viel mehr als alle Dialoge in dem 90-minütigen Spielfilm. Durch diese ungewöhnliche Erzählweise gelingt dem Regisseur Marco Berger ein beklemmender Thriller (der tatsächlich auch durch die unterlegte Musik bedrohliche Gefühle weckt), der weit über die klassische Coming-out-Schüler-Lehrer-Thematik hinausgeht.

Vom Überschreiten einer Grenze

Der Filmemacher, der mit "Ausente" seinen zweiten Spielfilm abliefert, hat quasi einen Versuchsaufbau installiert, wie in einem soziologischen Experiment, wie er selbst erzählt: "Ausgangspunkt des Films war es, das sexuelle Begehren eines Jugendlichen und die Reaktion seines Lehrers auf die ihm entgegengebrachten Gefühle zu untersuchen."

Aber er stellt auch klar: "Es geht es nicht um einen Erwachsenen, der einen Minderjährigen missbraucht, sondern um einen Jungen, der mit einem Erwachsenen spielt und genau weiß, dass der Lehrer bereits eine Grenze überschritten hat, als er ihm anbot, über Nacht bei ihm zu bleiben. In erster Linie versucht der Film jedoch, das Wesen des Begehrens zu erforschen und herauszukriegen, wie sich ein Erwachsener in einer derart verwirrenden Lage verhalten sollte. Dabei will der Film die Person des Lehrers nicht verurteilen, sondern verstehen."

Verständnis für eine durchaus menschliche und keineswegs konstruierte Situation. Marco Bergers Versuch ist nicht nur gelungen, er verbindet ihn mit einem einzigartigen, durchgängig erotischen Tenor. Mit "Ausente" gelang ihm auch ein glaubwürdiger, ein poetischer und einfühlsamer Film, der am Ende zu Tränen rührt. Auf der Berlinale 2011 hat er die Mehrheit der Jury überzeugt und bekam den Teddy Award als bester Spielfilm.

Im Rahmen einer Marco-Berger-Retrospektive gehört "Ausente" zum Programm des diesjährigen Queerfilmfestivals , das vom 7. bis 13. September 2023 parallel in 12 Städten und 16 Kinos läuft. Die offiziellen Filmstills zeigen wir in der unten verlinkten Galerie. Ebenfalls gezeigt werden Bergers Filme "Der Blonde", "Horseplay", "Hawaii", "Plan B" und "Young Hunter". (cw)

Galerie:
Ausente
8 Bilder

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