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So queer war die "Fledermaus" noch nie!
Barrie Kosky hat in München eine neue "Fledermaus" auf die Bühne gebracht. Die bunte, glitzernde, überbordende Version der Rache-Operette von Johann Strauß wurde bei der Premiere vom Publikum gefeiert.
- 08. Januar 2024
Jahrelang hatte sich der gebürtige Australier dagegen gewehrt, die "Fledermaus"-Operette zu inszenieren, jetzt stürzt er sich an der Bayerischen Staatsoper kopfüber hinein und suhlt sich geradezu in der von Strauß' beschwingten Melodien untermalten Komik. "Der Champagner hat's verschuldet", heißt es am Schluss des letzten Aktes und die Produktion des 56-Jährigen wirkt streckenweise selbst wie ein großer Champagnerrausch, der schließlich Kater und Ernüchterung in der Ausnüchterungszelle weicht.
Das liegt vor allem an den orgienartigen, farbenfrohen, hervorragend choreographierten und auffallend queeren Massenszenen, die Koskys Inszenierung ausmachen. Sie sorgen dafür, dass seine "Fledermaus" vor allem optisch und sinnlich wirkt, weniger intellektuell. Leider macht sie bei den Gefängnisszenen im dritten Akt auch vor allzu schenkelklopferischem Humor nicht Halt.
Trotzdem (oder gerade deshalb) wird Kosky gefeiert, als der Vorhang fällt – ebenso wie der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, Vladimir Jurowski, am Dirigentenpult, Georg Nigl als Gabriel von Eisenstein, Diana Damrau als Rosaline, Katharina Konradi als Adele, Andrew Watts als Prinz Orlofsky und das gesamte Sänger*innen-Ensemble.
Einen "neuen Blick über das Stück" hatte der schwule Regisseur versprochen und angekündigt: "Ich möchte München einen kleinen Vorgeschmack auf diesen Kosky-Operettenrausch geben." Nach München inszeniert Kosky eine weitere Operette, um die er eigentlich einen großen Bogen machen wollte: "Die lustige Witwe" von Franz Lehár in Zürich.
Nach Angaben der Bayerischen Staatsoper ist Koskys Inszenierung die erste neue "Fledermaus" seit 26 Jahren. Opernintendant Serge Dorny sagte nach der Premiere: "Es war hochnotwendig, eine neue "Fledermaus" zu haben."
Für die nächste Vorstellung am 10. Januar 2024 gibt es noch einige wenige Karten. Danach steht die Operette erst wieder am 31. Juli auf dem Programm. Mehr Infos gibt es auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper. (cw/dpa)










