https://queer.de/v?1853
Behörden-Wahnsinn in Teheran
Demnächst im Kino: Mit scharfer Zunge und sarkastischem Witz erzählen Alireza Khatami und Ali Asgari in ihrem Film "Irdische Verse" von neun Menschen, die zum Opfer des iranischen Staatsapparats werden.
- 26. Februar 2024
In dem in Cannes uraufgeführten Spielfilm geht es in neun Episoden um profane wie unfassbare Begegnungen mit einer allgegenwärtige Bürokratie und ihrer Kontrollmacht. Wenn Lichter und Irrlichter über dem geschäftigen Teheran in der Morgendämmerung zu blinken beginnen, ist der Auftakt gemacht für neue Strophen alltäglichen Irrsinns, der sich in Form absurder Alltagsregeln ins Leben der Menschen drängt.
Da möchte Vater Staat nicht nur ein Wörtchen mitreden bei der Namenswahl für Neugeborene. Auch in Modefragen und für politisch motivierte Hundeentführungen wird der Beamte hinter dem Schalter zum besten aller möglichen Berater. Es ist ein leise, aber beharrlich auftretender Zirkus, der jede noch so verwegene Logik mit staatsdienlichem Eifer verteidigt.
So möchte Farbod etwa seinen Führerschein verlängern, aber der zuständige Beamte zwingt ihn, sich auszuziehen, wobei seine Tätowierungen zum Vorschein kommen (im Islam ist permanente Tinte haram). Es wird nie klar, ob der für die Situation verantwortliche Mann durch die Nacktheit erregt wird oder einfach nur versucht, den Bürger zu demütigen…
Gerade in seiner formalästhetisch radikalen Einfachheit ist "Irdische Verse" ein aufwühlender, schwarzhumoriger Akt der Revolution. Deutscher Kinostart ist am 12. April 2024. Eine ausführliche Besprechung folgt. (cw/pm)

















