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ESC: Schwuler Palästinenser singt doch nicht für Island

Beim isländischen Eurovision-Vorentscheid "Söngvakeppnin" gehörte "Wild West" von Bashar Murad zu den Favoriten – im Finale am Samstagabend landete der Song aber nur auf dem zweiten Platz.

  • 03. März 2024

Bashar Murad ist ein offen schwuler palästinensischer Singer-Songwriter und Aktivist, der in Ostjerusalem wohnt. Internationale Bekanntheit erlangte er durch die Zusammenarbeit mit der isländischen Band Hatari in ihrem Song "Klefi / Samed" im Anschluss an den Eurovision Song Contest 2019. Für einige Schlagzeilen sorgte 2021 auch seine Single "Intifada on the Dance Floor".

In einem Statement zum offiziellen Musikvideo zu "Wild West" erklärte Murad, der ESC sei eine der größten Plattformen der Welt und er glaube an die Kraft seiner Stimme. "Als Palästinenser werden uns Plattformen vorenthalten, um unsere Kultur, Schönheit, Geschichte und Gemeinschaft zu zeigen." Er sei Island dankbar, dass es ihm diese Chance in Aussicht stelle. "Es ist mein Traum, den Eurovision 2025 nach Reykjavík zu bringen."

Doch daraus wird nichts: Beim isländischen Eurovision-Vorentscheid "Söngvakeppnin" gehörte "Wild West" zwar zu den fünf Songs im Finale am Samstagabend, landete dann aber nur auf dem zweiten Platz.

Während der Songtext von "Wild West" recht unpolitisch klingt, wimmelt es im Musikvideo geradezu vor Anspielungen auf den Nahost-Konflikt. So fährt Bashar Murad mit einem VW-Käfer durch eine Orangen-Plantage bis zu einer Mauer mit Stacheldraht. Danach steuert er ein Flugzeug über die Altstadt von Jerusalem und stürzt in einer Schneelandschaft ab. Dort wird er von einem mit Wassermelonen – dem palästinensischen Widerstandssymbol – beladenen Kleinlaster aufgesammelt. Am Ende des Video singt er mit Cowboyhut im Patronenregen.

Der britischen "Times" sagte der queere Sänger, das Video handele von seinen persönlichen Erfahrungen in Jerusalem: "Unter Besatzung geboren, getrennt von anderen Palästinensern, gezwungen, Kontrollpunkte zu passieren, unmöglich, nach Gaza zu reisen." Während Murad Israel "Pinkwashing" vorwirft, kann er selbst in Palästina nicht sicher leben: 2022 wurde ein Veranstaltungsort in Ramallah, wo er auftreten sollte, von Militanten angegriffen. (cw)


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