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Verborgene Sehnsüchte im Stundenhotel
Beim Filmfestival in Cannes feierte Karim Aïnouz' neues queeres Meisterwerk "Motel Destino" im Mai seine Weltpremiere, im November kommt es in die deutschen Kinos. Jetzt gibt es einen offiziellen Trailer!
- 22. September 2024
In grellen Neonfarben strahlt das abgelegen an der nordbrasilianischen Küste gelegene Stundenhotel Motel Destino unter der grenzenlosen Weite des leuchtend blauen Himmels. Hier strandet der junge Heraldo nach einem missglückten Raubüberfall, auf der Flucht vor der Polizei und seinen eigenen Komplizen.
Der undurchsichtige Betreiber Elias und seine Frau Dayana stellen nicht viel Fragen: Für Elias kommt Heraldo als billige, ganz ans Motel gefesselte Arbeitskraft gelegen, und Dayana, zunehmend frustriert von der Enge ihres Lebens, ist fasziniert von dem seltsam naiven jungen Mann. Ein gefährliches Spiel beginnt, ein Tanz der Macht, des Begehrens, der Loyalitäten, der Liebe, ein Kräftemessen, in dem der Wunsch nach Freiheit immer drängender wird.
Mit "Motel Destino" taucht der brasilianisch-algerische Filmemacher Karim Aïnouz erneut in die Welten ein, die er schon in "Madame Satã" und "Futuro Beach" meisterhaft erkundet hat. Sein neuer Film ist ein Tropical Noir voller Licht, Farben und Körper, Sehnsucht, Gewalt, Begehren und Zärtlichkeit, mit den großartigen Igor Xavier, Nataly Rocha und Fabio Assunção in den Hauptrollen, wunderbar gefilmt von Kamerafrau Hélène Louvart und montiert von Nelly Quettier. Alles, was hier passiert, drückt sich in und durch die Körper aus, die Gewalt in einer nach den Jahren der Bolsonaro-Regierung zerrütteten Gesellschaft, die Sehnsucht nach einem eigenen Leben, das Begehren und Aufbegehren einer Jugend, die verzweifelt versucht, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.
"Männliche Gewalt ist ein absolut relevantes Thema in einem Land, in dem alle sechs Stunden eine Frau ermordet wird", erklärte Karim Aïnouz zum Film. "Brasilien hat die größte Gay-Pride-Parade der Welt und ist gleichzeitig das Land mit der höchsten Anzahl von Hassmorden – es ist ein einziger Widerspruch. Ich hatte aus verschiedenen Gründen immer eine große Empathie für die weibliche Seite und Sicht, aber ich habe mich bisher selten mit der Konstruktion des toxischen Mannes befasst, wie ihn Elías in 'Motel Destino' verkörpert. Ich habe versucht, eine Art Anatomie des Machos, des Patriarchats zu schaffen, durch die Figur des Machos."
"Motel Destino" startet am 14. November 2024 im Verleih von Piffl Medien in den deutschen Kinos. Eine ausführliche Besprechung folgt. (cw/pm)










