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"Love in the Big City": Koreas wichtige schwule Serie
Eine neue achtteilige Reihe gibt einen authentischen Einblick in das Leben (nicht nur) schwuler Großstädter – und sorgt für Proteste konservativer Gruppen.
- 23. Oktober 2024
Sie mutet zuerst wie eine südkoreanische und durchaus gelungene Version von "Queer as Folk" an, setzt dann aber eigene Akzente, eine eigene Erzählweise und Bildsprache: Am Montag ist vor Ort und weltweit in Streaming-Diensten die lange erwartete Serie "Love in the Big City" erschienen, die achtteilige Umsetzung des gleichnamigen Romans von Sang Young Park, der auch das Drehbuch verfasste.
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Die Serie und das Buch (in deutscher Übersetzung 2022 bei Suhrkamp Neo verlegt) begleiten lose über einen Zeitrahmen von zehn Jahren den Autoren Go Young, wie er – neben weiteren Wendungen des Lebens – das Nachtleben Seouls auskundet, Männer kennenlernt, von ihnen verletzt wird, sie verletzt, sich mit ihnen verbindet. Eine Sammlung von Momenten, mal hintergründig oder ausführlich geschildert, mal kurz, die oft eigene Erinnerungen triggert an erlebte Momente und den Umgang mit ihnen.

Gedreht wurde mit vergleichsweise großem Budget an Originalschauplätzen der queeren Szene, während die geschilderten Situationen ebenso akkurat beobachtet und dargestellt wirken wie das Spiel des Hauptdarstellers Nam Yoon-soo. Umwerfend toll und treffend ist die in einigen Folgen thematisierte Dynamik zwischen ihm und der besten Freundin und Zimmergenossin Mi-ae – in einer loseren, wenige Wochen zuvor als Film unter gleichem Namen erschienen Kinoadoption ist dies mit anderem Team und Darstellenden die Haupthandlung.
Gleichwohl war es die Serie, deren acht Folgen in Korea in einem Schlag auf der Streaming-Plattform TVING erschienen und in Deutschland mit Untertiteln beim Streaming-Dienst Viki (Standard-Abo) zu sehen sind, die im Vorfeld für einigen Wirbel sorgte: Christlich-fundamentalistische Gruppen riefen online und dann bei einem Protest vor dem Kulturministerium zu einem Boykott der Show auf. "Der Trailer voller Nacktszenen, inniger Küsse und körperlicher Intimität zwischen Menschen des gleichen Geschlechts war unerträglich anzusehen", beklagte eine Gruppe. Die Regierung unterstütze Dramen, "die Homosexualität fördern und verherrlichen", und Inhalte, die Kindern "psychischen und physischen Schaden" zufügen würden.
/ PopBaseConservative groups are protesting outside South Koreas Ministry of Culture against the broadcast of the BL series Love in the Big City, claiming it glamorizes and promotes homosexuality.
Pop Base (@PopBase) October 14, 2024
A spokesperson stated, We were shocked after watching the preview of Love in the Big pic.twitter.com/WZXRlLeALf
Der Protest sorgte dafür, dass TVING alle Trailer und Promotionen zur Serie zwischenzeitlich stoppte – was dem Dienst den Unmut des Autors bei Instagram einbrachte. Hauptdarsteller Nam Yoon-su sagte auf einer Pressekonferenz, dass er die Menschen ignoriere, die ihm seit Bekanntgabe der Besetzung Beschimpfungen schickten. "Sie waren mir egal. Ich habe einfach gelacht, als ich bösartige Kommentare bekam. Diese Leute machten wirklich nur ein Prozent aus. Ich habe viele unterstützende Nachrichten bekommen." TVING stellte später den Trailer wieder ins Netz – und dann am Montag wie angekündigt auch die Serie.
Vielleicht sollte, minimale Spoiler folgen, der Protest auch davon ablenken, dass "Love in the Big City" immer wieder christlichen Fundamentalismus thematisiert, seine Auswirkungen auf Frauen, Schwule und die Gesellschaft, etwa durch das Aufgreifen der Themen Abtreibung, "Homo-Heilung" und verinnerlichter Homophobie.
Die Reihe ist dabei trotz des Fundi-Protestes beileibe nicht die erste schwule Serie des Landes. Ganz im Gegenteil, Südkorea beteiligt sich rege am vor allem von Thailand dominierten Trend in Südost- und Ostasien zu sogenannten Yaoi- oder Boys-Love-Reihen (BL), in denen Romanzen zwischen Jungs im Vordergrund stehen. Mit der sensiblen Teenie-Reihe "Light on me", der Erzählkino-Serie "The Eight Sense" oder den kurzen Romanzen "Blueming", "Semantic Error" und "Our Dating Sim" kommen einige der besten BL-Serien der letzten Jahre aus Korea, um nur einige zu nennen (die meisten davon gibt es ebenfalls bei Viki).
/ tbaudinetteAs a scholar of #BL, I am dedicating this week to thinking about # #LoveInTheBigCity, which is quickly turning out to be a major watershed moment in both South Korean queer media history and the broader socio-cultural and political history of BL! pic.twitter.com/uuODqEzSnA
Dr Thomas Baudinette (@tbaudinette) October 20, 2024
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Sie stehen bereits für den zunehmenden Einfluss queerer Autor*innen und Regisseur*innen und einer Diversifizierung des Genres, das einst als (Manga-)Fantasie von und für junge Frauen begann. Die Grenze zwischen BL- und Gay-/Queer-/Coming-of-Age-/Coming-out-Serien verwischt so immer mehr, auch wenn bei BL der Fantasie- / Romanzengedanke weiter prägend ist – mit eigener Berechtigung und vielen weltweit noch immer zu unbekannten tollen Ergebnissen.
/ tbaudinetteIn misogynistic and homophobic South Korea, #LoveInTheBigCity's passionate depictions of love and desire between men is more than just hot fan service. It's a political challenge to heteropatriarchal domination of the media. This is #BL at its finest # pic.twitter.com/ckGs57C3kZ
Dr Thomas Baudinette (@tbaudinette) October 21, 2024
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Serien wie "Love in the Big City" profitieren von dem Trend, setzen aber mit einem realitätsnahen, erwachsenen und selbstbewussten queeren Blick auf und für die Community eigene, wichtige und zeitgemäße Akzente – und im jeweiligen Land wie hier im konservativen Korea auch gesellschaftlich-politische Zeichen. Im Militär, das sei nur kurz allein zur Eröffnungsszene gesagt, steht Homosexualität noch unter Strafe. (nb)
Links zum Thema:
» "Love in the Big City" bei Viki
» Deutsche Buchfassung
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