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Udo Kiers Lebensbeichte
"Dass ich entdeckt wurde, hatte nichts mit Kunst zu tun", sagt der schwule Schauspieler Udo Kier in einem herausragenden Interview mit dem Film Festival Cologne. "Ich war einfach sehr fotogen."
- 19. Mai 2025
"Köln ist für mich Erinnerung", beginnt einer dieser typischen Udo-Kino-Monologe, wie sie – einmal angestoßen – Interviewer*innen so oft in Andacht verstummen lassen. Mit fünfzig Pfennig, die ihm seine Mutter in die Hand drückt, damit er sich Elizabeth Taylor im Kino ansehen kann, beginnt auch im Büro des Film Festivals Cologne ein Gedankenstrom, wie ihn nur der queere Kölner Weltstar erzählen kann.
Er führt natürlich zum Dom, wo er der Schwarzen Madonna zwei Kerzchen anzündet, "eine für die toten Freunde, eine für die lebenden" – aber auch wieder zurück zu Liz Taylor. Bei einem Dinner auf der Baseler Kunstmesse "wo man immer so lange auf sein Essen warten muss", kam es endlich zur Begegnung mit dem frühen Idol.
"Da habe ich dann zu all den Malern an meinem Tisch gesagt, ich nehme jetzt zwei Blumen aus der Dekoration und gehe damit zu Elizabeth Taylor und küsse sie. Da bin ich zu ihr hingegangen, habe ihr gesagt: 'You are so beautiful' und habe sie auf die Stirn geküsst. Da hat sie gesagt: 'Thank you!'"
Wer Udo Kier zum Interview begegnet, weiß nie, mit wem er es zu tun hat: Dem Star oder dem Fan. Das passt zu jemandem, der seinen Ruhm Andy-Warhol-Produktionen verdankt, nur dass Udo Kiers Viertelstunde Berühmtheit niemals aufgehört hat.
Gut möglich, dass zu den Künstlerfreunden, die seinerzeit den Überfall auf Liz Taylor bei der Art Basel miterlebten, auch Albert Oehlen gehört. Im neuen Film "Bad Painter", der am 24. Mai 2025 seine deutsche Erstaufführung bei den Kölner Kino Nächten erlebt, spielt Kier das Alter Ego des Malers und natürlich auch wieder sich selbst. Denn in seiner Medienpersona überschneiden sich die Idealbilder von Modell und Künstler auf einzigartige Weise.
Seit den frühen 1970er Jahren pendelt Udo Kier zwischen Hollywood und Arthouse, großem Kino und künstlerischen Experimenten, darunter bedeutenden Werken von Rainer Werner Fassbinder, Christoph Schlingensief und Lars von Trier. Als "Arteholic" feierte ihn ein Dokumentarfilm in seiner zweiten Existenz als Kunst- und Künstlerfreund.
"Dass ich entdeckt wurde, hatte aber noch weniger mit der Kunst zu tun, als damit, dass ich ein sehr fotogener Mann war. Ich kam ja nicht durch mein Können, sondern mein Aussehen zum Film. Das war mir auch bewusst. Als ich dann im Flugzeug neben Paul Morrissey saß, und er mich fragte, was ich mache, hatte ich als junger Schauspieler natürlich gleich mein Foto zur Hand. Dann wollte er meine Nummer haben und ich schrieb sie in seinen amerikanischen Pass. Daraus entstand ein paar Wochen später der Anruf: Er mache einen kleinen Film, "Frankenstein" in 3D, und er hätte eine kleine Rolle für mich. Ich fragte, was spiele ich denn? Und er sagte: 'Frankenstein'".
Udo Kiers Bekenntnisse wurden wenige Tage nach seinem 80. Geburtstag, unmittelbar vor der Verleihung des International Actors Award beim Film Festival Cologne verewigt. (cw/pm)











