https://queer.de/v?2434
Am Wiener Stadtrand weht die bunte Fahne der Solidarität
Auf der Berlinale wurde Marie Luise Lehners Debütfilm "Wenn du Angst hast, nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst" mit dem Teddy Jury Award ausgezeichnet. Jetzt kommt er in die deutschen Kinos!
- 15. September 2025
Marie Luise Lehner erzählt in ihrem Debüt "Wenn du Angst hast, nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst" von der zwölfjährigen Anna, die mit ihrer gehörlosen Mutter Isolde liebevoll, aber beengt in einer Siedlung am Wiener Stadtrand lebt. Der Wechsel aufs Gymnasium verändert Annas Leben. Ihre Mitschüler*innen kommen aus einer ganz anderen sozialen Schicht und Anna beginnt, sich für ihre Herkunft und ihre gehörlose Mutter zu schämen.
Während der Skiwoche muss sie so tun, als ob sie krank sei. Das für den Skikurs zurückgelegte Geld wird für den Kauf eines Schlafsofas aufgewandt, das der Mutter eine sexuelle Beziehung, aber auch der Tochter etwas mehr Privatsphäre ermöglichen soll. Eine Komplizin findet Anna in ihrer Klassenkameradin Mara, die mit feministischen Fragen provoziert und mit ihrem queeren Vater ebenfalls allein lebt.
Bedingungslos stellt sich Lehner an die Seite ihrer Held*innen, schenkt ihnen Raum für Introspektion und Ausbrüche, lässt sie zurückrudern und sich versöhnen. Das Nichthineinpassen erlaubt es ihnen, sich selbst kennen- und schätzen zu lernen. Lehner hisst, ganz selbstverständlich und mit viel popkultureller Referenz, die bunte Flagge der Solidarität.
Auf der diesjährigen Berlinale wurde "Wenn du Angst hast nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst" mit dem Teddy Jury Award ausgezeichnet. "Dieser Film trifft den Kern unserer Gegenwart mit trügerischer Leichtigkeit, bevölkert seine Welt mit queeren Menschen, besteht gleichzeitig auf der grundlegenden Queerness der Existenz – und behauptet schließlich, dass die körperliche Autonomie niemals der institutionellen Kontrolle überlassen werden darf", hieß es in der Begründung.
Am 2. Oktober 2025 startet Marie Luise Lehners Film nun in deutschen Kinos. Eine ausführliche Besprechung folgt. (cw/pm)











