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"Wenn nichts mehr geht, dann Gran Canaria" jetzt fürs Heimkino

Mit 64 Jahren erzählt der Berliner Filmemacher Tim Lienhard seine Geschichte der sexuellen Selbstfindung – vom katholischen Süddeutschland zur provokant-performativen Drag-Figur.

  • 20. Dezember 2025

Tim Lienhard liefert mit "Wenn nichts mehr geht dann Gran Canaria" einen dokumentarischen Essay, der nicht nur als Film, sondern als mutiges Lebensbekenntnis verstanden werden will. Der 64-jährige Filmemacher stellt sich als Regisseur, Autor und Produzent in den Mittelpunkt – und das in einer Art Selbstporträt, das ebenso intim wie provokant ist.

Lienhard präsentiert sich in diesem Werk in einer Weise, die zugleich grotesk und befreiend wirkt. In schillerndem Drag, in einem Mix aus exhibitionistischer Lust und künstlerischer Provokation macht er seinen Körper zum Medium der Selbstdarstellung. Dabei bricht er mit den Konventionen: Er enthüllt nicht nur seine Biografie, sondern auch seine Identität. Sein mutiger Umgang mit der eigenen Sexualität steht im Kontrast zu traditionellen Normen und öffnet einen Raum für ein anderes Verständnis von Freiheit.

Ein zentraler Aspekt des Films ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft. Lienhard verweist auf eine Familiengeschichte, die von Schweigen und Tabuisierung geprägt war: Sein Großvater, dessen Ehe von der Großmutter wegen "sexueller Perversion" geschieden wurde, wirft Fragen auf, die bis heute nachhallen. In einem Umfeld, in dem über Sexualität kaum gesprochen wurde, stellt sich Lienhard der Frage: "Was ist sexuell pervers?" Durch das Ausloten seiner familiären Vergangenheit öffnet er einen Raum für Reflexion über Normen und Urteile.

Der Film versteht sich zugleich als Plädoyer für Hedonismus als Form der Selbstermächtigung. Das Feiern, das ausgelassene Partyleben und die bewusste Zurschaustellung der eigenen Sexualität werden hier als Ausdruck von Freiheit interpretiert. Gerade in einer Zeit, die von zunehmenden Restriktionen und politischen Spannungen geprägt ist, liefert Lienhards Werk einen kraftvollen Appell für Offenheit, Ehrlichkeit und Selbstbehauptung.

Neben seiner eigenen Darstellung bringt Lienhard zahlreiche weitere Stimmen ins Spiel. Von Pornostars und Cross-Dressern über den OnlyFans-Creator Robert Royal bis hin zum legendären Filmemacher und Aktivist Rosa von Praunheim bietet der 82 Minuten lange Film ein vielfältiges Spektrum an Perspektiven auf Themen wie Altern, Körper, Sexualität und Selbstbestimmung. "Warum tun wir, was wir tun?" Diese Frage wird zum Leitmotiv.

"Wenn nichts mehr geht dann Gran Canaria" kann jetzt zum Preis von 6,99 € bei vimeo gestreamt werden. Eine ausführliche Filmkritik von Fabian Schäfer gibt es hier. (cw/pm)


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