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Queerer Vater, queere Tochter
Im Schwarz-Weiß-Drama "Vaterland" reisen der Schriftsteller Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter Erika (Sandra Hüller) durch das in Trümmern liegende Deutschland. Jetzt gibt es einen ersten Trailer.
- 09. Juli 2026
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begeben sich Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter, die Schauspielerin, Autorin und Kabarettistin Erika (Sandra Hüller), auf eine Reise durch ein Deutschland in Trümmern – von Frankfurt in der amerikanischen Besatzungszone bis ins sowjetisch kontrollierte Weimar. Zum Goethe-Jubiläum wünscht man sich auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze Worte des Trostes, der Zustimmung und der Vergebung vom größten aller Erzähler.
Zwischen euphorischen Wagner-Erb*innen und literarisch versierten Generälen wird Deutschlands wichtigster Schriftsteller hofiert und manchmal auch beschimpft, während das Drama seiner eigenen Familie leise eskaliert. Es ist das erste Mal seit dem Krieg, dass Thomas Mann in sein Heimatland zurückkehrt, aus dem er einst ins Exil geflohen war. Eine Reise in die verwundete deutsche Seele, die heilen soll – sie wird für Erika und den Zauberer, wie seine Kinder Thomas Mann oft nannten, zu einer Reise ins Innerste.
Erika Mann lebte offen bisexuell und hatte mehrere Beziehungen zu Frauen, unter anderem zur Schauspielerin Therese Giehse, mit der sie lange liiert war. Ihr Vater lebte seine Queerness dagegen nicht aus. Seine Tagebücher – die er teils bis zu seinem Tod versiegelt hielt und die erst Jahrzehnte später veröffentlicht wurden – offenbaren jedoch eine tiefe, lebenslange homoerotische Anziehung zu Männern.
Nach dem Oscar-prämierten "Ida" und dem vielfach ausgezeichneten Drama "Cold War – Der Breitengrab der Liebe" erzählt Paweł Pawlikowski in überragenden Kinobildern eine große deutsche Familiengeschichte im Tumult der Nachkriegszeit. Mit zarter Unerbittlichkeit überblendet "Vaterland" den Nullpunkt der deutschen Geschichte mit dem Finale einer Familiensaga. Eine intensive filmische Erfahrung, getragen von einem überragenden Ensemble.
"Vaterland" startet am 3. September 2026 bundesweit im Kino. Eine ausführliche Filmkritik folgt. (cw/pm)
















