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Die Gay Guerilla entlang der Schnellstraße
Das Afrika Film Festival Köln bietet in diesem Jahr auch ein queeres Programm. Gezeigt wird u.a. der experimentelle Essay- und Dokumentarfilm "Joy Boy: A Tribute to Julius Eastman".
- 13. August 2026
Das Afrika Film Festival Köln (AFFK) zeigt in diesem Jahr eine Auswahl queerer Kurz- und Langfilme aus verschiedenen afrikanischen Ländern und der Diaspora. Die Filme erzählen von queerem Leben, Liebe und Widerstand in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten – mal poetisch, mal politisch, mal humorvoll, immer authentisch. Sie geben Einblicke in Perspektiven, die im Mainstream-Kino viel zu selten sichtbar sind, und schaffen Raum für Geschichten von afrikanischen, Schwarzen und queeren Filmemacher*innen.
Zur Auswahl gehört u.a. "Joy Boy: A Tribute to Julius Eastman" (2026), ein experimenteller Essay- und Dokumentarfilm (64 Minuten) von einem kollektiven Regieteam, darunter Mawena Yehouessi, Fallon Mayanja, Rob Jacobs, Victoire Karera Kampire, Paul Shemisi und Anne Reijniers. Der Film feierte seine Weltpremiere im Februar auf der Berlinale und war auch für einen Teddy Award nominiert.
"Joy Boy" ist eine Hommage an Julius Eastman (1940-1980), afroamerikanischer Pianist, Komponist, homosexuell, legendär sein Bariton, seine Bühnenpräsenz, in Armut gestorben. 1979 schrieb er "Evil Nigger" und "Gay Guerrilla" für Klavierquartett. Der Film ist eine konzertante Aufführung seiner Musik und seiner O-Töne, alternierend – visualisiert in vier Kapiteln. Musik und Bild autonom. Die Kompositionen zeigen sein Können, die Texte seine Haltung. Entzündet an Kolonial- und Lebensgeschichte, rau, radikal und glasklar schleudert er die Worte regelrecht heraus (auch das N*Wort – jenseits aller möglichen, notwendigen Triggerwarnungen), er kotzt sich aus, wird nachdenklich, schweigsam.
Die Regisseur*innen agieren aus einem breiten Spektrum theoretischer und künstlerischer Praktiken – Film, Performance, Tanz; Textil, Archiv, Recherche – in komplexer Kollaboration, eigenständig und kollektiv, solidarisch mit Eastman und miteinander. Ein Film, der politisch knallt und wunderschön zugleich ist, besonders die Berührung von Körper, Farben und Rhythmen oder die Choreographie der Gay Guerilla entlang der Schnellstraße, Raum nehmend, bedrohlich, verwundbar, stark.
Das 23. Afrika Film Festival Köln findet vom 17. bis 27. September 2026 statt. "Joy Boy" wird Freitag, den 18. September um 17 Uhr im Filmforum im Museum Ludwig gezeigt. Das komplette queere Programm des AFFK gibt es hier als PDF. (cw)
Links zum Thema:
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