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Als Liebe und Leidenschaft den queeren Protest befeuerten

Eine Online-Doku der BBC spürt dem schwulen Paar nach, das durch das "World Press Photo 2015" weltweit bekannt und in Russland zur Ikone wurde. Fünf Jahre später steht das Bild für Trauer über das Vergangene.

  • 17. Februar 2020, noch kein Kommentar



Das Bild ging um die Welt: Der dänische Fotograf Mads Nissen hatte im Rahmen seiner Reihe "Homophobia in Russia" das schwule Paar Jon (damals 21) und Alex (25) aus Sankt Petersburg in einem intimen und zärtlichen Moment abgelichtet. Ein Paar, das zusammenhält und sich bestärkt trotz aller Anfeindungen. Das Bild besitze "große ästhetische Kraft" und zeige schlicht Menschlichkeit, so die Jury des "World Press Photo Award", die das Bild Anfang 2015 zum Foto des Jahres wählte und ihm so weltweite Aufmerkamkeit verschaffte (queer.de berichtete).

Nach der Verabschiedung des Gesetzes gegen "Homo-Propaganda" und der Unterdrückung mehrerer LGBTI-Proteste wies die Jury so auf die Lage in Russland hin, stellvertretend zugleich für viele weitere Länder: "Sexuelle Minderheiten werden mit rechtlicher und sozialer Diskriminierung konfrontiert, mit Verfolgung und sogar gewalttätigen Hass-Verbrechen von konservativen religiösen und nationalistischen Gruppen", so die Jury.

Die BBC hat sich nun für eine zehnminütige Dokumentation aufgemacht, die Geschichte des Bildes zu erzählen. "Für mich war dieses Foto zunächst Ausdruck von tiefer Liebe und auch Leidenschaft", sagt Jon darin. "Jetzt steht es für Trauer."

Direktlink | Die BBC-Doku von Anastassia Zlatopolskai

Denn Alex ist inzwischen verstorben, im letzten März an Herzversagen. Er wurde 30 Jahre alt. Und die Lage in Russland hat sich weiter verschlimmert: "Was damals geschah, wäre jetzt unmöglich: Einen Marsch gegen Hass zu organisieren, mit Regenbogenfahnen zu marschieren", sagt Jon.

Auch angesichts des Hasses – Jon berichtet in der Doku von zwei bis drei homofeindlichen Attacken gegen ihn – organisierten sie damals Proteste wie einen queeren Block bei der großen jährlichen 1.-Mai-Demonstration. 2016 wurde ihnen die Teilnahme untersagt – die Polizei nahm später rund ein dutzend Teilnehmer mit Regenbogenflaggen fest (queer.de berichtete). Unter ihnen Jon, der Alex noch zur Seite drücken konnte.

Aktivismus auf der Straße habe an Relevanz und Kraft verloren, beklagt Jon heute – wegen der Repression, die nur noch Proteste von Einzelpersonen ermöglicht und auch diese noch oft durch Festnahmen unterbindet. Und auch, weil viele junge LGBTI das Land verließen.

Noch wenige Jahre zuvor herrschte die Aufbruchstimmung und Kampfbereitschaft einer jungen queeren Generation, das Bild von Jon und Alex wurde zur "Ikone für den Kampf für LGBT-Rechte", so Mads Nissen. Jon meint, er habe das Foto damals mit einem Spruch aus dem Film "The Raspberry Reich" in sozialen Netzwerken geteilt: "Mein Boyfriend ist die Revolution". Und Alex habe diese Rolle angenommen – ohne ihn seien die Proteste jener Jahre nicht möglich gewesen, so Jon. "Wir haben unsere Energie so gebündelt, dass sie zu Resultaten führte, nicht nur für uns beide, sondern für die Welt als ganzes." (nb)



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17. Februar 2020
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