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Ein schwuler Kurzfilm, der aus der Reihe fällt

Der Kurzfilm "Wo der Himmel die Zeit bestimmt" des brasilianischen Regisseurs Marco Aurélio Gal thematisiert Trauer, Depression und die Kraft der Liebe.

  • 23. Februar 2020, noch kein Kommentar

Nach dem Tod seiner Mutter driftet Thomas Leben in einen grau-tristen Alltag ab. Er ist lustlos. Kann sich zu nichts motivieren. Aber dann lernt er den Fotografen Gabriel kennen. Mit seiner knallroten Jacke als Markenzeichen bringt er wieder Farbe in das Leben von Thomas und erweckt bei ihm Gefühle, die seine Trauer vergessen lassen

Damit fällt dieser Kurzfilm aus der Reihe sonstiger Filme zum Thema Schwulsein. Akzeptanz der eigenen sexuellen Identität, Coming-out, Angst vor Ablehnung und anderen negativen Reaktionen – all das spielt bei "Wo der Himmel die Zeit bestimmt" keine Rolle. Denn Regisseur Marco Aurélio Gal aus Brasilien hatte eine andere Absicht: "Der Film berührt Themen wie Depression, Trauer und Aufbruch. Obwohl die beiden Hauptfiguren schwul sind, wollte ich mit meinem Kurzfilm über ein tieferes Gefühl sprechen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, aber nicht unabhängig von ihrer Beziehung."

Es ist die menschliche Beziehung, die Thomas aus seiner Einsamkeit befreit. Nachdem er mit Gabriel das erste Mal Sex hatte und alles nach einem typischen One-Night-Stand ausschaut, schwingt die Situation um. Gabriels Lächeln, seine Jugendlichkeit und Neugierde bringen Thomas dazu, seit langem wieder zur Gitarre zu greifen. Diese war wie sein Leben zuvor verstummt.

"Ich liebe Musicals. Seit jeher haben sie mir ein gutes Gefühl gegeben. Ich wollte dieses Gefühl teilen, damit sich die Menschen wohl fühlen und von unserer Geschichte von Thomas umarmt werden, der in seinem Leben Musik verloren hat und lernt, eine neue Stimme zu finden", sagt Regisseur Gal über das Symbol der Musik in seinem Film.

Mit 27 Jahren hat er ihn produziert. Drei Jahre ist das. Seitdem hat sich die Situation in Brasilien dramatisch verändert. Queere Filmemacher wie Gal leiden unter der Politik des rechtsextremen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro. "Es ist alarmierend, was wir heute in Brasilien erleben, mit einem Präsidenten, der vor allem Kultur und Kino verachtet und der ideologischen Verfolgung durch Linke beschuldigt." Bolsonaro hatte die Förderung für LGBTI-Filme als Geldverschwendung bezeichnet. In Folge wurde die staatliche Filmförderung in den Bereichen Gender und sexuelle Vielfalt eingestellt (queer.de berichtete). Erst ein Gerichtsbeschluss stoppte dieses Vorgehen (queer.de berichtete). (cw/pm)



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