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Die Zerstörung von Olaf Latzel in fünf Minuten
Ihren LGBTI-feindlichen Hasspastor wird Bremens evangelische Kirche aus rechtlichen Gründen wohl so einfach nicht los - jetzt hat Kirchenpräsidentin Edda Bosse zumindest die richtigen Worte gefunden.
- 02. Juni 2020,
In der am Samstag veröffentlichten Videobotschaft "Hass der uns trifft" rechnet die 66-Jährige erstmals öffentlich mit Pfarrer Olaf Latzel ab, gegen den der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) bereits Mitte Mai ein Disziplinarverfahren eingeleitet hat (queer.de berichtete).
"Aus einem Seminar, in dem es um die Ehe gehen sollte, wurden von einem Pastor Giftpfeile, die in der Brühe niederster Instinkte gebadet hatten, auf die Bremische Evangelische Kirche abgeschossen", sagt Bosse über Latzel, ohne dessen Namen zu erwähnen. "Die Art der Lehre, wie sie in diesem unseligen Eheseminar geäußert wurde, erzeugt Hass."
"Die Verbrecher vom Christopher Street Day"
Olaf Latzel hatte Mitte Oktober 2019 homosexuelle und trans Menschen in diesem Seminar aufs Übelste diffamiert (queer.de berichtete). In dem Vortrag meinte der 52-Jährige unter anderem: "Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day." Darüber hinaus beklagte Latzel, dass "diese Homo-Lobby, dieses Teuflische" immer stärker werde. "Gelebte Homosexualität" sei "vor Gott ein Gräuel" und "todeswürdig". Die Anerkennung von Transsexualität zerstöre ferner "unsere gesamte Zivilisation und Kultur".
Wegen der Tiraden wurde der Pastor der St.-Martini-Kirche u.a. wegen Volksverhetzung angezeigt (queer.de berichtete). Staatsanwaltschaft und Staatsschutz in Bremen prüfen allerdings noch immer, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat bestehe.
Ihre Sympathie und Liebe gelte "jetzt ganz besonders den homosexuellen Menschen in meiner Familie", sagt Bosse in ihrer Videobotschaft. "Sie gelten meinen homosexuellen Freundinnen und Freunden, den homosexuellen Pastorinnen und Pastoren in unserer BEK – den gleichgeschlechtlich lebenden Paaren im Pfarrhaus, die von diesen Pfeilen getroffen wurden." Bosse räumt ein, dass Sympathie nicht ausreiche, die Kirche müsse jedoch zunächst das Ergebnis der Ermittlungen abwarten
Bosse trägt Tag und Nacht ein Regenbogenarmband
Aus Solidarität trage sie Tag und Nacht ein Regenbogen-Armband, erklärt Bosse – und berichtet von Hasszuschriften bibeltreuer Christ*innen inklusive Steinigungs-Wünschen gegen sie persönlich: "Beleidigungen und Beschimpfungen überschwemmen in Massen das Haus der Kirche, Tatsachenverdrehungen und Lügen – per Mail, per Brief, durchs Telefon", so die Kirchenpräsidentin im Video. Was sie dabei verwirre, sei "der totale Gegensatz zwischen der frommen, angeblich gottesfürchtigen und bibeltreuen Attitüde und die absolut jedes Maß sprengende Aggressivität der Kommentare und Zuschriften".
Ihre rund fünfminütige Videobotschaft beendet Bosse mit einem Appell: "Ich bitte diejenigen, die gedemütigt und verletzt wurden, jetzt nicht zu gehen, sondern zu bleiben und damit die zu stützen, die für sie einstehen. Ich wünsche mir von denen, die uns geschadet haben, dass sie zurück ins Gespräch kommen."
Tatsächlich sind die Fronten in der evangelischen Kirche jedoch verhärteter denn je. Durch die Auseinandersetzung in Bremen wurde Olaf Latzel zu einem der bekanntesten Evangelikalen in Deutschland, der vermehrt auch bundesweit bei Missionstreffen auftritt. Die "Christen in der AfD" bewerben etwa aktuell die Veranstaltung "Kehrt um" des "Evangelisationsteams" im sächsischen Geising, bei der Latzel Mitte Juni sprechen soll. Auf Youtube hat der Bremer Pastor mehr als 18.000 Abonnent*innen, seine Online-Predigten werden von Zehntausenden verfolgt. Fast 20.000 Menschen haben sich zudem in einer Online-Petition ausdrücklich hinter Latzel gestellt, der seiner "biblischen Verantwortung gegenüber Gott gewahr" werde.
Mittlerweile gibt es auch eine Gegen-Petition, initiiert vom Bremer LGBTI-Aktivisten Bastian Melcher. Über 10.000 Unterschriften fordern darin eine Amtsenthebung des Hass-Pastors. (mize)

















www.kirche-bremen.de/feiern/trauung/trauung_haeufige_fragen.
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DAS ist die wunderbare bunte Vielfalt und die großartige "theologische Arbeit" dieser Kirche. Die Hetzer_innen werden ausdrücklich geschützt, so lange es keinen allzu großen öffentlichen Wirbel um ihre Hetze gibt. Echte Solidarität sieht für mich anders aus.