Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/v?466

Die Zerstörung von Olaf Latzel in fünf Minuten

Ihren LGBTI-feindlichen Hasspastor wird Bremens evangelische Kirche aus rechtlichen Gründen wohl so einfach nicht los - jetzt hat Kirchenpräsidentin Edda Bosse zumindest die richtigen Worte gefunden.

In der am Samstag veröffentlichten Videobotschaft "Hass der uns trifft" rechnet die 66-Jährige erstmals öffentlich mit Pfarrer Olaf Latzel ab, gegen den der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) bereits Mitte Mai ein Disziplinarverfahren eingeleitet hat (queer.de berichtete).

"Aus einem Seminar, in dem es um die Ehe gehen sollte, wurden von einem Pastor Giftpfeile, die in der Brühe niederster Instinkte gebadet hatten, auf die Bremische Evangelische Kirche abgeschossen", sagt Bosse über Latzel, ohne dessen Namen zu erwähnen. "Die Art der Lehre, wie sie in diesem unseligen Eheseminar geäußert wurde, erzeugt Hass."

"Die Verbrecher vom Christopher Street Day"

Olaf Latzel hatte Mitte Oktober 2019 homosexuelle und trans Menschen in diesem Seminar aufs Übelste diffamiert (queer.de berichtete). In dem Vortrag meinte der 52-Jährige unter anderem: "Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day." Darüber hinaus beklagte Latzel, dass "diese Homo-Lobby, dieses Teuflische" immer stärker werde. "Gelebte Homosexualität" sei "vor Gott ein Gräuel" und "todeswürdig". Die Anerkennung von Transsexualität zerstöre ferner "unsere gesamte Zivilisation und Kultur".

Wegen der Tiraden wurde der Pastor der St.-Martini-Kirche u.a. wegen Volksverhetzung angezeigt (queer.de berichtete). Staatsanwaltschaft und Staatsschutz in Bremen prüfen allerdings noch immer, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat bestehe.

Ihre Sympathie und Liebe gelte "jetzt ganz besonders den homosexuellen Menschen in meiner Familie", sagt Bosse in ihrer Videobotschaft. "Sie gelten meinen homosexuellen Freundinnen und Freunden, den homosexuellen Pastorinnen und Pastoren in unserer BEK – den gleichgeschlechtlich lebenden Paaren im Pfarrhaus, die von diesen Pfeilen getroffen wurden." Bosse räumt ein, dass Sympathie nicht ausreiche, die Kirche müsse jedoch zunächst das Ergebnis der Ermittlungen abwarten

Bosse trägt Tag und Nacht ein Regenbogenarmband

Aus Solidarität trage sie Tag und Nacht ein Regenbogen-Armband, erklärt Bosse – und berichtet von Hasszuschriften bibeltreuer Christ*innen inklusive Steinigungs-Wünschen gegen sie persönlich: "Beleidigungen und Beschimpfungen überschwemmen in Massen das Haus der Kirche, Tatsachenverdrehungen und Lügen – per Mail, per Brief, durchs Telefon", so die Kirchenpräsidentin im Video. Was sie dabei verwirre, sei "der totale Gegensatz zwischen der frommen, angeblich gottesfürchtigen und bibeltreuen Attitüde und die absolut jedes Maß sprengende Aggressivität der Kommentare und Zuschriften".

Ihre rund fünfminütige Videobotschaft beendet Bosse mit einem Appell: "Ich bitte diejenigen, die gedemütigt und verletzt wurden, jetzt nicht zu gehen, sondern zu bleiben und damit die zu stützen, die für sie einstehen. Ich wünsche mir von denen, die uns geschadet haben, dass sie zurück ins Gespräch kommen."

Tatsächlich sind die Fronten in der evangelischen Kirche jedoch verhärteter denn je. Durch die Auseinandersetzung in Bremen wurde Olaf Latzel zu einem der bekanntesten Evangelikalen in Deutschland, der vermehrt auch bundesweit bei Missionstreffen auftritt. Die "Christen in der AfD" bewerben etwa aktuell die Veranstaltung "Kehrt um" des "Evangelisationsteams" im sächsischen Geising, bei der Latzel Mitte Juni sprechen soll. Auf Youtube hat der Bremer Pastor mehr als 18.000 Abonnent*innen, seine Online-Predigten werden von Zehntausenden verfolgt. Fast 20.000 Menschen haben sich zudem in einer Online-Petition ausdrücklich hinter Latzel gestellt, der seiner "biblischen Verantwortung gegenüber Gott gewahr" werde.

Mittlerweile gibt es auch eine Gegen-Petition, initiiert vom Bremer LGBTI-Aktivisten Bastian Melcher. Über 10.000 Unterschriften fordern darin eine Amtsenthebung des Hass-Pastors. (mize)



-w-

-w-
-w-

Newsletter
  • Unsere Newsletter halten Dich täglich oder wöchentlich über die Nachrichten aus der schwul-lesbischen Welt auf dem Laufenden.
Tagesvideos durchsuchen
Video vorschlagen
#1 ursus
  • 02.06.2020, 14:30h
  • "Die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare liegt in der Bremischen Evangelischen Kirche im Ermessen der einzelnen Gemeinde und ihrer Pastoren / Pastorinnen. [...] Fragen Sie Ihren Pastor / Ihre Pastorin."

    www.kirche-bremen.de/feiern/trauung/trauung_haeufige_fragen.
    php

    DAS ist die wunderbare bunte Vielfalt und die großartige "theologische Arbeit" dieser Kirche. Die Hetzer_innen werden ausdrücklich geschützt, so lange es keinen allzu großen öffentlichen Wirbel um ihre Hetze gibt. Echte Solidarität sieht für mich anders aus.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Ralph
  • 02.06.2020, 15:04h
  • Antwort auf #1 von ursus
  • Ja. Die Erklärung der Präsidentin verharrt auch leider im Wunsch nach Gespräch und Begegnung mit den Hasspredigern, statt eine Brandmauer gegen sie zu errichten. Das alte Problem der Landeskirchen: aus Angst vor der Abspaltung der Rechtsradikalen sie lieber tolerieren, mit mehr oder weniger klarer Distanzierung. So wird nicht Klarheit geschaffen, so werden Grenzen nicht aufgezeigt. Es genügt nicht, Solidarität mit den Opfern zu zeigen, wenn man nicht gleichzeitig die Täter ausgrenzt - nicht nur mit Worten, sondern organisatorisch. Hätte die Präsidentin wenigstens den Satz gefunden: "Wer Hass predigen will, kann das außerhalb der Kirche; in der Kirche ist dafür kein Raum", könnte man sie beglückwünschen. Tatsächlich bleibt sie aber auf halbem Wege stehen. Sie solidarisiert sich mit den Opfern, ohne gegenüber den Tätern die notwendige Konsequenz zu ziehen. So erweckt sie den Eindruck, dass Vielfalt auch Minderheitenhass einbezieht. Ähnlich war es 2003 in der pfälzischen Landeskirche. Dort gab man eine "gottesdienstliche Begleitung" (keine Trauung) frei, allerdings unter der Willkür der Pfarrer und Presbyterien. Und gleichzeitig durfte die landeskirchliche Gemeinschaft (das sind die Fundamentalisten innerhalb der Landeskirche) weiter fröhlich Schwule und Lesben diffamieren, weil die Kirchenleitung Hass und Liebe als gleichwertig ansah. Einer der Gründe für mich, damals die Kirche zu verlassen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 MinelleAnonym
#4 ursus
  • 02.06.2020, 16:44h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • "Hätte die Präsidentin wenigstens den Satz gefunden: "Wer Hass predigen will, kann das außerhalb der Kirche; in der Kirche ist dafür kein Raum", könnte man sie beglückwünschen."

    Ich hätte mit meinem Glückwunsch abgewartet, bis einem solchen Satz entsprechendes Handeln gefolgt wäre, das diesem Satz Glaubwürdigkeit verliehen hätte. Bis dahin hätte ich auch das als reine Bigotterie eingestuft.

    Ich bin diese säuselnde Verarsche, die ja mittlerweile sogar auf Teile der katholischen Kirche übergreift, mehr als leid.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 goddamn liberalAnonym
  • 02.06.2020, 17:24h
  • Antwort auf #4 von ursus
  • Frau Bosse diskriminiert sich als Frau und moderne Theologin selbst, wenn sie nicht gegen Latzel vorgeht.

    Nicht nur wir, sondern auch sie ist in den Augen Latzels mit dem Teufel im Bunde.

    Und: "Dreck, Mist, Blödsinn" - das ist die Hetze Latzels gegen andere Konfessionen und Religionen.

    Über die Entwicklung in der kath. Kirche bin ich als Ex-Katholik sehr erfreut, weil sie in unserem Kirchenstaat gesellschaftlichen Fortschritt in Zeitlupe widerspiegelt.

    Davon profitiere ich auch, wenn ich nicht wieder katholisch werde.

    Und das habe ich keinesfalls vor.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 WahrheitIstRelativAnonym
  • 02.06.2020, 20:28h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Ich glaube eher, sie will ihn bekehren...
    Es wäre nicht christlich, dem Sünder ( Latzel) keine 2.Chance mehr zu geben.
    Naja, wenn es dann um weniger Prominente Mitglieder geht, ist das wahrscheinlich egaler.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Homonklin_NZAnonym
  • 02.06.2020, 21:29h
  • Schade, der Petitionslink meldet ein 502 Error - Bad Gateway- hier. Kann sein, dass das wegen dem Satelliten so ist, keine Ahnung.

    ""Was sie dabei verwirre, sei "der totale Gegensatz zwischen der frommen, angeblich gottesfürchtigen und bibeltreuen Attitüde und die absolut jedes Maß sprengende Aggressivität der Kommentare und Zuschriften".""

    Fraglich, warum sie das verwirrt. Dazu müsste sie ihre Religion in der zugrundeliegenden Ideologie auseinanderklabustern, die von Grund auf die Ausgrenzung von Menschen mit bestimmten Merkmalen und natürlichen Eigenschaften lehrt.

    Es geht ja lange nicht nur gegen Schwule oder vermeintliche Häretiker und Andersglaubende, Andersdenkende.
    Die ganzen mythologischen Doktrinen über Vorschriften zum Sosein, sich kleiden, seine Felder zu bestellen, wie man seine Tochter an irgendwelche Halunken zum Vergewaltigen durchreicht und diverse Brutalitäten gegen andere Ethnien.
    Das kann man nicht einfach hinweg wischen mit "War ja nicht so gemeint" oder "Lattenjupp zählt heute" und den ganzen Schönfärbereien, die diese in Teilen Menschen verachtende Religion über uns brachte.

    Und wenn die Folger das in ihren Briefen und Aussagen reproduzieren, was dieses Mythen- und Märchenbuch ihnen beibringt, braucht man nicht verwirrt sein.

    Dass Leute mit einer Religion als Schutzschild in Deutschland übelste, menschenächtende und herabwürdigende, demütigende und beleidigende Lügen verbreiten dürfen, ist schon lange, immer wieder neu aus diesen Ecken gespien worden. Man kann es nur spiegeln und zurück speien.

    Um ein freies Leben in Selbstverantwortung zu leben, braucht Mensch kein Märchen aus Nahost oder von sonstwo.

    www.kirchenaustritt.de
    kann ein Anfang in Richtung selbstbestimmte Freiheit sein.

    Wenn man sich psychiatrisch mit dem ganzen Quatsch seit Jahren auseinandergesetzt hat, offenbart sich die Problematik der Komplexität einer Erkrankung, die dem Bereich des Wahns zugehört. Menschen mit Wahnstörungen und dem, was man früher als Psychose bezeichnet hat, neigen zu Anfeindungen und derart begrenztem Menschenbild, Weltbild, wie wir es in den abrahamitischen Mythenwelten sehen. Wie es noch immer weiter gegeben wird - da ist Olaf Latzel ehestens einer der manischen Persönlichkeiten darin.

    Man kann daher nicht sagen, welches das Schlimmere ist - diese Faschismusnähe gerade heraus zu "predigen" oder das Ganze verstecken, zu übermalen, schönzufärben und so zu tun, als gäbe es das nicht mehr

    Verwirrend ist eher, wie erwachsene Menschen diesem Mumpitz ein Leben lang hinterdrein rennen können.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 BremerAnonym
  • 03.06.2020, 11:08h
  • Es ist ja schön und gut, was die Kichenpräsidentin sagt. Die Anhänger von Olaf Latzel wird sie damit jedoch nicht erreichen, ganz im Gegenteil. Da diese sowieso der Meinung sind, dass die Führung der BEK vom Antichristen beeinflusst ist und sich vom wahren Glauben abgewendet hat fühlen die sich ehr noch bestätigt.
    Mit Fanatikern kann man halt nicht reden. Hier bin ich mittlerweile der Meinung müsste die BEK konsequent sein und die Martini Gemeinde aus der BEK ausschließen!
    Was den Hinweis auf die Petition mit fast 20.000 Unterschriften angeht muss man das glaube ich mal in Relation setzen. Es gibt dort ja eine schöne Statistik-Funktion und die besagt, dass genau 536 Unterzeichner aus Bremen kommen, dass sind ca. 0,25 Prozent der Mitglieder der BEK. Ich könnte mir vorstellen, dass aus der BEK jetzt, so sie es denn nicht schon vorher getan haben, mehr Menschen wegen Latzel austreten/ausgetreten sind, als die Petition in Bremen unterzeichnet haben. Auf ganz Deutschland bezogen sind es nicht mal 0,1Prozent.
    Damit zeigt sich eindrucksvoll, dass es sich hier um ein kleines Häufchen Irrer (Geisteskranker?) geht. Allerdings darf man nicht den Fehler machen, diese Menschen zu unterschätzen, da diese besonders eifrig dabei sind ihren Glauben und ihre religiösen Ansichten zu verbreiten und versuchen andere Menschen zu missionieren. Die unterscheiden sich da nicht von rechtsextremen, linksextremisten, islamisten oder sonstigen Terroristen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 JovogAnonym
  • 04.06.2020, 13:39h
  • ich bin natürlich vollkommen auf Ihrer Seite. Aber was erwidern Sie gegen die Vorwürfe der "Radikalchristen", dass Homosexualität gegen das Gesetz Gottes ist und dass Jesus dieses Gesetz zu 100% bestätigt habe? Welche theologischen Argumente?
  • Antworten » | Direktlink »
#10 TheDadProfil
  • 05.06.2020, 07:56hHannover
  • Antwort auf #5 von goddamn liberal
  • ""Frau Bosse diskriminiert sich als Frau und moderne Theologin selbst, wenn sie nicht gegen Latzel vorgeht.""..

    Frau Bosse ist keine "Theologin", ihr nicht einschreiten hat dann auch nichts mit der Verweigerung eines "Kolleg*innen-Streits" zu tun, und ist auch dann noch ärgerlich, wenn ihr als "Kirchenpräsidentin" der Weg eines solchen Vorgehens gar nicht wirklich offen steht..
  • Antworten » | Direktlink »
Gay.de