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"Ich bin HIV-positiv und bin an Aids erkrankt"

Nach einer sehr persönlichen Rede im Hessischen Landtag bekam der 25-jährige Grünen-Abgeordnete Felix Martin langen Beifall von allen Fraktionen.

Ausschnitt aus der Rede von Felix Martin am 3. Februar 2021 (Quelle: Hessischer Landtag)
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Der schwule Politiker, der Mitglied des Gesundheitsausschusses ist, begründete am 3. Februar einen gemeinsamen Entschließungsantrag der schwarz-grünen Koalition zur Aidspolitik (PDF). So soll sich Hessen offiziell den UNAIDS-Zielen der Vereinten Nationen anschließen. Außerdem hat das Bundesland ein Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben, das noch offene Potenziale in der HIV-Prävention aufzeigen soll.

Ein Thema, bei dem sich normalerweise die Reihen im Landtag wohl eher lichten. Doch mit einem sehr persönlichen Coming-out bekam Felix Martin schnell die Aufmerksamkeit des gesamten Hauses: "Ich bin HIV-positiv und bin an Aids erkrankt", sagte der Grünen-Politiker in der Mitte seiner Rede und berichtete anschließend von den Diffamierungen und Verleumdungen, die er vor rund drei Jahren erleben musste, als er seine Diagnose erstmals öffentlich machte.

Eine schwere Lungenentzündung wurde für Felix Martin 2017 zu einem persönlichen Schlüsselerlebnis. Sie war Folge einer ungeahnten HIV-Infektion, mit unter 100 Helferzellen war er bereits an Aids erkrankt. Vollständig genesen und unter erfolgreicher Therapie thematisierte er seine Geschichte Anfang 2018 als Kandidat für den Landtag (queer.de berichtete). Mit dem Berliner Linkspolitiker Carsten Schatz gibt es nur einen einzigen anderen offen HIV-Positiven in einem Landesparlament (queer.de berichtete).

Der Satz am Redepult in Wiesbaden sei ihm schwergefallen, meinte Felix Martin gegenüber der "Frankfurter Rundschau". "Ich wusste ja nicht, wie die Kolleginnen und Kollegen reagieren." Den autobiografischen Text, für den es im Landtag sehr langen Beifall gab, hatte der 25-Jährige zuvor schon bei einer Aids-Gala in Darmstadt oder beim CSD Kassel vorgetragen.

"Am besten erreicht man die Menschen mit einer persönlichen, emotionalen Geschichte. Wenn sie von einer betroffenen Person erzählt wird, können die Menschen sich am besten hineinversetzen", erklärte der Grünen-Politiker, warum er sich für die mutige Rede entschieden hatte. "Es geht um eine Thematik, mit der sich die meisten Menschen sonst wahrscheinlich nicht beschäftigen würden. Ich habe dieses Podium nutzen wollen, die Chance haben nur wenige." (mize)



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#1 FliegenAnonym
#2 NonBinaryEhemaliges Profil
  • 13.02.2021, 16:45h
  • Absolut herzzerreißend.
    Meinen allergrößten Respekt und nur die allerbesten Wünsche!

    Wir sollten uns darüber im klaren sein, dass das bei weitem kein Einzelschicksal ist. SO viele Menschen sind auch heute noch stigmatisiert.

    Der äußerst fade Höflichkeitsapplaus am Ende ernüchtert dann allerdings auch gleich wieder total. Wann werden Menschen endlich lernen, Kranke nicht auszugrenzen, ihnen nicht moralische Schuld für ihre Krankheit aufzuerlegen?

    Kranke brauchen Unterstützung, Solidarität, Hilfe.
    Immer. Egal bei welcher Erkrankung, und egal welche Gründe die Erkrankung hat. Da hat unsere Gesellschaft noch ganz gehörigen Aufholbedarf.
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#3 KumpelAnonym
  • 13.02.2021, 18:21h
  • Antwort auf #2 von NonBinary
  • Mich hat seine Rede zum Heulen gebracht. Sorry, ich weine immer sehr schnell. Bin ein Gefühlsmensch.
    Respekt. Respekt.
    Und ja, der Applaus viel am Ende eher doch etwas mager aus. War für manche sicherlich schwer zu ertragen, da er ja kein Blatt vor den Mund nahm und seine Krankheit allen sehr offen dargelegt hat.
    Chapeau.
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#4 NonBinaryEhemaliges Profil
  • 14.02.2021, 10:46h
  • Antwort auf #3 von Kumpel
  • "Sorry, ich weine immer sehr schnell."

    Und jetzt bitte nochmal ohne "Sorry"!
    Was soll daran bitte schlimm sein, wenn jemand empathisch und emotional ist? Das ist eine positive Eigenschaft. Sprüche wie "Ein Indianer kennt keinen Schmerz", "Jungs weinen nicht" und Ähnliches waren und sind einfach nur Bullshit.

    Die Welt ist ohnehin schon viel zu knallhart. Wenn jemand anders ist und das nicht verbirgt, hat er_sie größten Respekt verdient.

    Schönen Sonntag Dir!
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#5 LegatProfil
  • 14.02.2021, 11:51hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #3 von Kumpel
  • "Und ja, der Applaus viel am Ende eher doch etwas mager aus. War für manche sicherlich schwer zu ertragen, da er ja kein Blatt vor den Mund nahm und seine Krankheit allen sehr offen dargelegt hat."

    Keine Sorge, für die Verhältnisse in unserem hessischen Landtag, war das ein langer, positiver Applaus und auch den abschließenden Satz von SPD-Landtagsvizepräsidentin Heike Hofmann fand ich sehr passend und angemessen. In Hessen ist halt nicht unbedingt immer der Jeck zu Hause und die Leute eher zurückhaltend. ;-)

    Meine höchsten Respekt an Felix Martin für diese Aktion, die viel zur Akzeptanz und Sichtbarkeit von HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen beiträgt! Vielen Dank!
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#6 KumpelAnonym
  • 14.02.2021, 12:45h
  • Antwort auf #4 von NonBinary
  • Danke Dir dafür. Doch wenn ich hier im Forum so manche Kommentare lese, denke ich oft nur, bin hier fehl am Platz. Schon diese neuartige Schreibweise fällt mir schwer. Aber Du hast recht und ich schäme mich auch nicht für meine Tränen. Während der gesamten Rede, spürte ich einen innerlichen Schmerz in mir, den ich lange Zeit nicht mehr gehabt habe. Damals verlor ich viele gute Freunde wegen Aids. Und die waren so weit weg von mir. Lebten in San Francisco.
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#7 JenneAnonym
  • 15.02.2021, 18:59h
  • Danke Felix.

    In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, warum nach 40 Jahren Forschung noch immer kein Aids-Impfstoff gefunden ist. Interessanterweise hat es bei Covid nicht einmal ein Jahr gedauert. Da merkt man mal wieder, wie sehr im Abseits die Aids Erkrankung / Erkrankten stehen.
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