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Was Jesus, Karl Adolf Groß und Rio Reiser verbindet

Bei einem Gottesdienst zum Karfreitag erinnerte die Evangelische Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau an verfolgte Homosexuelle - Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth beteiligte sich als Gast.

  • 02. April 2021, noch kein Kommentar

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Lebens- und Leidensgeschichte von Karl Adolf Groß, der 1931 als homosexueller Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg aus dem Dienst entfernt wurde und von 1939 bis zur Befreiung in NS-Konzentrationslagern saß (queer.de berichtete). In seiner Predigt zitierte Pfarrer Björn Mensing aus Groß' geheimen Tagebuchaufzeichnungen.

Der Gottesdienst sei "alles andere als selbstverständlich, denn die Kirche hat sich über Jahrhunderte ganz wesentlich an der Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung insbesondere von homosexuellen Menschen beteiligt", sagte Mensing. "Und so möchte ich auch für meine evangelische Kirche an der Stelle sagen, wir können nur voller Scham auf diese schuldverstrickte Geschichte schauen."

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung trug Franz Werner an der Orgel Gesangbuchlieder vor, die Karl Adolf Groß in der Haft Trost und Halt gaben. Gudrun Huber (Geige), Florian Ewald (Klarinette) und Anne Braatz (Cello) spielten Werke der homosexuellen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowsky und Benjamin Britten sowie von Gustav Mahler, dessen Werke in der NS-Zeit wegen seiner jüdischen Herkunft als "entartet" diffamiert wurden.

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) erinnerte in einer Rede daran, dass die Homosexuellenverfolgung nach der Befreiung nahtlos weiterging: "Ich schäme mich, dass die Opfer des Nazi-Terrors […] so unerträglich lange um die Anerkennung des ihnen zugefügten Leid kämpfen mussten." Die Grünen-Politikerin und ehemalige Managerin der Band Ton Steine Scherben brachte ein Foto von Rio Reiser zum Gottesdienst mit.

In seiner Predigt stellte Mensing Verbindungen in den Lebens- und Leidensgeschichten von Jesus, Karl Adolf Groß und Rio Reiser her, der als schwuler Sänger von Ton Steine Scherben noch in den Siebzigerjahren wegen seiner sexuellen Orientierung Ausgrenzung und Diskriminierung erlebte. 1974 schrieb der Künstler, der täglich in der Bibel las, in sein Tagebuch: "Wenn niemand bei dir is' und du denkst, dass keiner dich sucht, und du hast die Reise ins Jenseits vielleicht schon gebucht, und all die Lügen geben dir den Rest: Halt dich an deiner Liebe fest." Ein Jahr später übernahm er den Text in eines seiner bekanntesten Lieder. Mit Zustimmung von Rio Reisers Bruder Gert Möbius ließen Florian Ewald und Franz Werner im Gottesdienst die Melodie erklingen.

Unser Video des Tages ist eine rund achteinhalbminütige Zusammenfassung der über einstündigen Gedenkveranstaltung. Das komplette Video kann man sich hier anschauen. (cw)



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