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"Meine Kirche hat etwas gegen homosexuelle Menschen"
In einem flammenden Plädoyer zur Prime Time auf Vox fordert der schwule Pfarrer Bernd Mönkebüscher die katholische Kirche zu einer Erneuerung ihrer Sexualmoral auf - und zeigt dabei seine Regenbogensocken.
- 15. September 2021,
Mönkebüscher war am Montag Speaker des neuen Short-Formats "#VoxStimme", in dem montags bis freitags um 20.13 Uhr Menschen mit einem besonderen Anliegen zwei Minuten lang vor die Kamera treten. Zum Auftakt hatte Jochen Schropp am 1. September gegen das Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer sowie für trans Menschen protestiert (queer.de berichtete).
Bernd Mönkebüscher beginnt seinen Beitrag mit Schätzungen, denen zufolge "20 bis 40 Prozent aller katholischen Priester schwul sein könnten". Er fügt hinzu: "Aber meine Kirche hat etwas gegen homosexuelle Menschen". Zu den Diskriminierungen, die der katholische Geistliche aus Hamm aufzählt, gehört auch das kirchliche Arbeitsrecht. "Immer noch können kirchliche Mitarbeiter*innen keine gleichgeschlechtliche Ehe schließen, ohne ihren Beruf zu verlieren", kritisiert der Pfarrer. "Die Kirche diskriminiert Menschen für etwas, für das sie nichts können."
Bernd Mönkebüscher wurde 1992 zum Priester geweiht, im Februar 2019 outete er sich als schwul (queer.de berichtete). Nach dem Segnungsverbot des Vatikans für gleichgeschlechtliche Paare gehörte er im Mai zu den Initiator*innen der inklusiven Segnungsgottesdienste unter dem Motto "Liebe gewinnt" (queer.de berichtete). (mize)


















Vor dem Hintergrund meiner eigenen beruflichen Erfahrungen stellt sich mir für Bernd die Frage, ob er in diesem beruflichen Umfeld wirklich richtig ist. Es ist sicher ehrenvoll, innerhalb einer Organisation, die sich gegenüber homosexuellen Menschen feindlich verhält, in die Offensive zu gehen. Und ich wünsche Bernd ganz viel Kraft, diesen (aus meiner Sicht für die Dauer von vielen Generationen) nahezu aussichtslosen Kampf zu führen.
Ich möchte keineswegs anmaßend wirken! Aber ich habe den Gedanken, dass es für Bernd besser gewesen wäre, diesen Beruf nie gewählt zu haben. Auch wenn Priester geltend machen dürfen, dass die Wahl mehr Berufung als Beruf sei. Da wird ein Mensch in seiner Persönlichkeit und Würde verletzt, wird in der Entfaltung und Wirksamkeit seiner Talente behindert und gehemmt. Die berufliche Weiterentwicklung ist mit großen Nachteilen verbunden. Leider bemerken Menschen oftmals einfach zu spät, dass die Berufswahl zu viele Probleme bedeutet und können es nur sehr schwer, manchmal gar nicht mehr revidieren.