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Hat sich das wirklich gelohnt, Nico?

In seinem neuesten Video unterhält sich der 21-jährige schwule Youtuber Nico Abrell über eine halbe Stunde lang mit einem bibeltreuen Fundi-Christen und Kumpel von Olaf Latzel.

  • 20. September 2021, kein Kommentar

"Schwuler stellt Hardcore Christ unangenehme Fragen", nennt Abrell sein am Sonntag veröffentlichtes Video. Sein Gesprächspartner Alan, ein hauptberuflicher Erzieher und Hobby-Missionar, hatte sich selbst bei ihm gemeldet. Er hatte Nicos früheres Interview mit dem schwulen katholischen Pfarrer Wolfgang F. Rothe gesehen und wollte dessen homofreundliche Sicht auf die Bibel korrigieren.

Alan zuzuhören, ist eine Zumutung. Er mimt einen toleranten Menschen, der er überhaupt nicht ist, und versteckt seine tief verinnerlichte Homofeindlichkeit hinter seinem imaginären Gott und einem mehrere tausend Jahre alten Buch. Er bezeichnet Homosexualität als Entscheidung, findet das Verbot von Homo-"Heilung" falsch, sieht Fundi-Christen als Opfer, die sich in der Gesellschaft "outen" müssten, und würde seine eigenen Kindern nach einem Coming-out nicht bedingungslos unterstützen, sondern sie weiter mit seinen vorgestrigen Moralvorstellungen quälen.

Nico lässt ihn reden, sagt ständig "verstehe" und fragt nur bei wenigen Punkten nach. Dann allerdings sehr gut: "Wie kannst du deinen Glauben über die Wissenschaft und die Menschenrechte stellen?", will der Youtuber von Alan wissen. Oder: "Müssen denn Lesben und Schwule gerettet werden?" Eine klare Antwort erhält er nie, und Nico lässt ihm das durchgehen. Um die penetrante Bibel-Propaganda seines Gastes wirklich auseinanderzunehmen, was gar nicht so schwer gewesen wäre, fehlt dem 21-Jährigen sowohl das Wissen als auch das rhetorische Geschick.

Dass er im Talk mit Alan eine Chance verpasst hat, scheint Nico Abrell selbst zu ahnen. "Mir war bewusst, dass wir auf keinen grünen Zweig kommen", zieht er in einer Art Nachwort Bilanz. "Mir ist aber wichtig, dass man sich auf Augenhöhe begegnet."

Klar, miteinander zu reden, kann niemals schaden. Einem Missionar, der sich mit der Absicht zu missionieren selbst eingeladen hat, ziemlich unvorbereitet eine reichweitenstarke Plattform zu bieten, ist jedoch vor allem ziemlich naiv. (mize)


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